Aussicht von Felsenburg Neurathen
Europa

Sächsische Schweiz: Basteibrücke, Schwedenlöcher & Wandertipp

Corona hat mich zur verfrühten Rückkehr aus Argentinien gezwungen und weitere lose Reisepläne durchkreuzt. Zeit also, dass sich aus der Krise endlich ein positiver Effekt ziehen lässt.

Wie genau? Mit der neugierigen Ausrichtung auf (fast) in der Heimat liegende Naturwunder statt dem verzweifelten Fernglas-Blick auf fremde Länder. Es ist an der Zeit, die bestehende Heimatliebe neu zu wecken. Wer dies als Sachse mit einem Tag in der Sächsischen Schweiz nicht schafft, ist echt zu bedauern.

Ich möchte einen kleinen Einblick in das riesige Naturwunder ‚Sächsische Schweiz‘ geben, die schönsten Aussichtspunkte rund um die Bastei vorstellen und eine recht einfache und schöne Wanderrunde in der Sächsischen Schweiz empfehlen, auf der Du die Hauptattraktionen zu sehen bekommst.

Sächsische Schweiz oder Elbsandsteingebirge?

Sind die Sächsische Schweiz und das Elbsandsteingebirge eigentlich zwei Namen für das gleiche Gebiet? Stimmt nicht ganz, denn dann müsste von der Sächsisch-Böhmischen Schweiz gesprochen werden.

Wehlsteinaussicht
Erste Felsen von der Wehlsteinaussicht

Das Elbsandsteingebirge erstreckt sich nicht allein auf deutsches Staatsgebiet. Stattdessen werden die rund 700 Quadratkilometer mit dem Nachbarn aus Tschechien geteilt. Während das Elbsandsteingebirge die Gesamtbezeichnung ist, deckt die Sächsische Schweiz nur den Teil innerhalb der Landesgrenzen ab.

Die Namensgebung der Sächsischen Schweiz geht übrigens auf zwei Schweizer Künstler zurück, die bereits im 18. Jahrhundert nach Dresden kamen und östlich der Landeshauptstadt das Naturwunder sahen, welches der heimischen Schweizer Jura stark ähnelte.

Anreise mit ÖPNV & Parken

Auf gen Südost-Dresden! Doch wie reist man in die Sächsische Schweiz? Da das Elbsandsteingebirge weit von einem Geheimtipp entfernt ist, gestaltet sich die Anreise mit dem ÖPNV einfach. Die Zuglinien S1 & S2 fahren von Dresden in Richtung des Elbsandsteingebirges.

Wenn Du zum Hauptkern (Bastei) mit dem Auto anreisen möchtest, sei der rund drei Kilometer entfernte Parkplatz P+R Bastei für 3€ Tagesgebühr empfohlen. Von dort bringen Dich Shuttlebusse für 1,50€ pro Nase (Returnticket) bis wenige hundert Meter vor die Bastei.

Wandertipp: Route im Kern der Sächsischen Schweiz

Du glaubst, dass Dich die Treppen und das Auf und Ab schnell aus der Puste bringen? Keine Angst, denn nachfolgende Wanderroute im Kern der Sächsischen Schweiz mit vielen Highlights für Wandertouristen ist auch für Einsteiger locker zu meistern.

Wehlsteinaussicht Sächsische Schweiz
Wehlsteinaussicht vor dem Eingang

Warum ich mir da sicher bin? Ich war mit meiner Frau wandern, die das wundervolle Gewichtshandicap unseres baldigen Nachwuchses mit durch die Sächsische Schweiz trug und dennoch genug Puste hatte.

Wir müssen ja nicht vom Muskelkater am Folgetag sprechen. 😉

Wehlstein- und Basteiaussicht

Kennst du den Spruch ‚Glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast‘? So ähnlich fühlt man sich, wenn man im Vorfeld vor Neugier via GoogleMaps schon ein paar Bilder der Aussichtsplattformen anklickt, denn angeblich soll man von der Wehlsteinaussicht bereits die Basteibrücke sehen.

Möglich ist das nicht ansatzweise und doch überzeugt der erste Blick in die Natur und auf die Sandsteinfelsen, sodass es zur Challenge wird, nicht über die Brüstung zu klettern, da links vom Aussichtspunkt eine noch bessere Sicht zu vermuten ist.

Basteiaussicht liefert tollen Blick auf die Elbe

Je nach Tageszeit muss man auf den nächsten Metern ein wenig mit dem Touristenstrom schwimmen, denn das ortsansässige Hotel samt Restaurant und Souvenir-Shop lädt dazu ein, den Geldbeutel zu zücken.

Blick über die Elbe von der Basteiaussicht
Die Elbe von das Basteiaussicht aus

Hinter den kommerziellen Vergnügungsoptionen taucht ein anderer Magnet auf. Es ist die Basteiaussicht, die einen Blick auf die Elbe im Tal freigibt. Zudem beobachten wir zahlreiche Kletterer, welche die Felsen erklimmen. In der Ferne ist der Kurort Rathen zu sehen.

Bastei ist im Übrigen der Begriff für die berühmtesten Felsen im Umkreis und nicht – wie man es im Vorfeld vermuten könnte – ein einzelner Fels.

Der erzwungene Weg zurück bis zum Restaurant gibt die Chance, ein letztes Mal vor Wald & Natur sanitäre Einrichtungen aufzusuchen, denn nur einige Stufen abwärts ist das große Highlight der Sächsischen Schweiz erreicht!

Die Basteibrücke – das Highlight der Sächsischen Schweiz

Die Basteibrücke ist das Fotomotiv der Sächsischen Schweiz, obwohl die Auswahl schon bei einer kleinen Wanderung riesig ist. Sie ist rund 76 Meter lang und wurde in den 80er Jahren in rund 36.000 Stunden Arbeitszeit saniert.

Basteibrücke in der Sächsischen Schweiz
Die Basteibrücke – Touristenmagnet der Sächsischen Schweiz

Streiten lässt sich darüber, an welcher Stelle der schönste Blick auf die Basteibrücke möglich ist. Hoch im Kurs steht der Ausblick vom Ferdinandstein.

Felsenburg Neurathen: 2€ perfekt investieren

Nur wenige Meter nach der Basteibrücke erscheint auf der linken Seite der Eingang zur Felsenburg Neurathen. Obwohl nur noch ein Bruchteil der einstigen Burg erhalten ist, ist der fällige Eintritt in Höhe von zwei Euro eine gute Investition.

Der recht kurze Rundweg liefert einige schöne Fotomotive. Wichtiger Tipp: Besuche die Felsenburg unbedingt am Vormittag, damit sich die Basteibrücke nicht nur gegen die Sonne betrachten lässt.

Basteibrücke von der Felsenburg Neurathen
Die Basteibrücke von der Felsenburg Neurathen aus

Wir haben den kleinen Rundweg erst nach der Hauptrunde in Angriff genommen und mussten entsprechend auf manch schönes Foto verzichten.

Kämpfe in schwindelerregenden Höhen

Die Ruine der Felsenburg selbst ist ebenfalls sehenswert, auch wenn die eigentliche Burg größtenteils aus Holz gebaut war und entsprechend nicht mehr erhalten ist.

Die römische Zisterne zur Trinkwassergewinnung liefert wie die nachgebaute Steinschleuder einen Einblick, wie das Leben im Mittelalter ablief – umkämpft und mit dringend benötigtem Erfindergeist.

Honigsteine Durchgang
Kleine Brücke am Rand der Honigsteine mit Strand-Feeling

Nach dem Ausgang folgen unzählige Stufen bis ins Tal. Schweißperlen haben die uns entgegenkommenden Naturliebhaber (oder doch eher Touristen?) auf der Stirn. Ungünstig ist nur das Wissen darum, dass jede nach unten geschrittene Stufe irgendwann wieder erklommen werden muss. Doch ein kleiner Spoiler: der Anstieg bei den Schwedenlöchern war mein persönliches Highlight!

Amselsee: Lohnt die Ruder- oder Tretboottour?

Nur wenige hundert Meter nach der letzten Stufe taucht der Amselsee auf, auf dem wahlweise Ruder- und Tretboote für 30 Minuten ausgeliehen werden können. Die logische Frage nach den kurzen Ausleihzeiten erübrigt sich bei einem Blick auf Maps, denn der See macht nur einen kurzen Linksknick und endet nach gut 300 Metern wieder.

Zufluss zum Amselsee
Wundervoll grün: der Zufluss zum Amselsee

Stattdessen sind die Honigsteine unser Ziel. Glaubt man den Daten des Navigationsdienstleisters, sind die Steine ab dem Knickpunkt des Amselsees in zwei Richtungen zu erreichen, doch in der Realität geht man den Amselsee bis zum Schluss und erst dann die Halbkurve. Auf den letzten Metern sind zahlreiche Stufen zu meistern.

Oben kann man den Profis beim Klettern zusehen. Wir gehen manch Zusatzweg, verlaufen uns hier und da und kehren schlussendlich zum Amselsee zurück, an dessen Ende sich der Weg zu den Schwedenlöchern bahnt.

Schwedenlöcher: Kühler Aufstieg zwischen den Felsspalten

Jede Stufe, die ist hinter der Felsenburg Neurathen nach unten ging, muss auch nach oben erklommen werden. Zwischen den Felsspalten bei den Schwedenlöchern ist dies zwar eine kleine sportliche Herausforderung, doch die traumhafte Natur lässt alle Schmerzen vergehen.

Felsspalt der Schwedenlöcher
Schmale Wanderwege zwischen den Felsen: die Schwedenlöcher

160 Höhenmeter und ungefähr 700 Stufen sind zwischen Felsspalten zu passieren, die an manchen Stellen einen gleichzeitigen Auf- und Abstieg nicht möglich machen, da nur eine Person in die Zwischenräume passt.

Mehrere Leitern führen durch die Felsen hindurch, die teils gesprengt werden mussten, um den touristischen Pfad zu ermöglichen. Moos wächst über das poröse Gestein und trotz der eben noch sonnigen 23 Grad wünscht man sich urplötzlich eine Jacke.

Schwedenlöcher Namensgebung

Den Namen tragen die Schwedenlöcher bereits seit Jahrhunderten. Im Dreißigjährigen Krieg mussten die Einheimischen mit ihren Wertgegenständen vor schwedischen Soldaten flüchten und versteckten sich in den Felsspalten.

Treppe zu den Schwedenlöchern
Die Treppe zu den Schwedenlöchern – nur teils voll mit Touristen

Auch bei späteren Konflikten und selbst im 2. Weltkrieg dienten die von oben fast uneinsichtigen Felsspalten als Schutz vor Angreifern. Mehrfach mussten die Schwedenlöcher bereits geschlossen werden. 2012 fiel eine circa 10 Kubikmeter große Platte in die Schlucht, sodass der Wanderweg erst 2013 wieder freigegeben wurde.

Sind die letzten Stufen gemeistert, erreicht man einen großen Rastplatz, von dem aus mehrere Aussichtspunkte in wenigen Schritten zu erreichen sind: Pavillonaussicht & Kleine Gans: Süd-Aussicht.

Über den Gansweg geht es zurück zur Bastei, womit die kleine Wanderroute in der Sächsischen Schweiz endet.

Große Wanderrouten in der Sächsischen Schweiz

Wenn der Fokus nicht auf den Hauptattraktionen für Touristen liegt, sondern die Wanderung selbst das große Highlight ist, kann die Strecke deutlich verlängert werden.

Ausblick Honigssteine
Der Ausblick bei den Honigssteinen

Geübte Wanderer können beispielsweise über den kleinen Kurort Rathen an der Elbe entlang bis an die Festung Königstein wandern. Auf der gegenüberliegenden Flussseite befindet sich mit dem Lilienstein ein berühmter Tafelberg auf 415 Metern Höhe.

Eine Rundwanderung von der Basteibrücke zur Festung Königsstein und über Lilienstein sowie Schwedenlöcher zur Bastei zurück entspricht einer anspruchsvollen Runde von circa 20 Kilometern, die zahlreiche Höhenmeter enthält.

Die schönsten Aussichtspunkte der Sächsischen Schweiz (nah der Bastei)

  • Wehlsteinaussicht (erster Blick auf die Bastei)
  • Basteiaussicht (Elbe, Rathen)
  • Felsenburg Neurathen (Basteibrücke, Amselsee, Lilienstein)
  • Pavillionaussicht (Bastei)
  • Kleine Gans: Süd-Aussicht (Basteibrücke)
  • Ferdinandstein

Etwas weiter entfernt sind der Aussichtspunkt Ziegenrücken sowie der Blick von den Honigsteinen.

Am Rande noch ein heißer Tipp für eine Traum-Aussicht fernab des Kerns der Sächsischen Schweiz. Schaut doch mal beim Carolafelsen rund 18 Kilometer südöstlich der Bastei vorbei.

Pavillonaussicht bei den Schwedenlöchern
Pavillonaussicht oben bei den Schwedenlöchern

Mein Fazit zur Sächsischen Schweiz: Heimatliebe!

Der Name ist Programm! Die Sächsische Schweiz liefert für Naturliebhaber das volle Programm. Die Sandsteinfelsen im Südosten von Dresden sind völlig zurecht ein Besuchermagnet. Selbst der Kern der Sächsischen Schweiz ist jedoch groß genug, um trotz des Andrangs in der Natur alleine zu sein.

An den bekanntesten Spots musst man vielleicht mal ein Sekündchen für das perfekte Fotomotiv warten. Wir kommen sicher wieder – und freuen uns schon auf die Wanderung zur Festung Königsstein.

Als ich von meinem Tagestrip in die Sächsische Schweiz erzählte, sagte man mir: „Ich hätte nicht geglaubt, dass diese Bilder aus Deutschland stammen„. Und so schnell wird deutlich, dass die aktuelle Krise mit positiven Denkmustern auch angenehme Effekte liefert.

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