Ground Zero, aber die Zwillingstürme fehlen
Reiseziele

Verschwundene & zerstörte Sehenswürdigkeiten – Lost Places auf Reisen

Was sind eigentlich Lost Places auf Reisen? Sogenannte Lost Grounds sind für den Fußballtouristen altertümliche Stadien, die neuen Arenen weichen mussten. Im Regelfall fallen jene der Abrissbirne zum Opfer.

Unter Lost Places im Allgemeinen versteht der Abenteurer entgegen des eigentlichen Namens Orte, die noch auf teils halsbrecherischen Wegen besichtigt werden können, aber nicht mehr für die eigentliche Bestimmung genutzt werden.

Lost Places auf Reisen & Alternativen

Auf Globushopper steht aber natürlich die Ferne im Fokus. Lost Places beim Reisen sind für mich verschwundene und zerstörte Sehenswürdigkeiten. Alternativ jene, deren Charme sich durch gewisse Neuerungen enorm veränderte.

Ich blicke zurück auf 5 Reise-Lost-Places, die ich noch besuchen durfte oder zu gern bereist hätte, die aber im 21. Jahrhundert verschwanden. Für einige der zerstörten oder anderweitig verschwundenen Sehenswürdigkeiten & Wahrzeichen habe ich einen alternativen Tipp in petto.

Das Azure Window in Malta

Eine ganze Nation und die Tourismusbranche schienen geschockt, als am 8. März 2017 das Wahrzeichen Maltas ins Meer stürzte. Seither reiht sich das Azure Window in die Liste der zerstörten Sehenswürdigkeiten auf dem Planeten ein.

Azur Window von Malta (Ferne)
Das über 20 Meter hohe und gesamt 100 Meter breite Felsentor steht nicht mehr…

Das vom Meer verschluckte Felsentor auf Gozo fiel einem Sturm zum Opfer. Doch ist das Azure Window tatsächlich für immer ein Lost Place für Reisende? In den Tagen danach schrieben zahlreiche Medien davon, dass das Wahrzeichen von Malta für immer zerstört sei. Mag stimmen, doch inzwischen mehren sich die Stimmen, die sich für einen künstlichen Wiederaufbau des Azure Window aussprechen.

Sein wir ehrlich, den früheren Charme wird das Felsentor von Malta nie wieder einnehmen, welches mit 20 Metern Höhe und fast 100 Meter Breite ein echter Koloss am Meeresrand war.

Das Azure Window in Malta 2015 bleibt einer der Lost Places beim Reisen
9 Alternativen gibt es für das verschollene Azure Window

Alternative: 9 anderen Felsentore auf Malta

Nicht weit verbreitet ist, dass in Malta diverse alternative Felsentore existieren, die zwar nicht ansatzweise so berühmt wie das Azure Window sind, aber immerhin nette Alternativen.

Kräftig getrommelt wird inzwischen in der Tourismusbranche für das Wied il-Mielah Window. Das Felsentor ist auf ähnliche Art und Weiße entstanden.

Insgesamt gibt es fast eine zweistellige Anzahl an Felsentor-Alternativen auf Malta. Die Mehrheit davon befindet sich auf der kleinen für Filmdrehs bekannten Insel Comino, die aber allesamt wesentlich kleiner sind. Ein Glück konnte ich das Azure Winow rechtzeitig von meiner Bucket-List streichen.

Die Zwillingstürme des World Trade Centers in New York

Das World Trade Center in New York war auch vor dem Einsturz am 11. September 2001 berühmt. Jeder erinnert sich an diesen Dienstag, der – egal, welche Theorie man selbst mit dem Einsturz verbindet – das Leben auf der Welt nachhaltig veränderte.

Die Zwillingstürme zählen für immer zu den verschwundenen und zerstörten Sehenswürdigkeiten. Gleiches gilt für das Gebäude WTC7, welches aber weniger im Fokus stand, da die Twin Towers bei der Fertigstellung in den 70er Jahren die höchsten Gebäude der Welt waren. Zudem prägten sie das Stadtbild von Manhattan wie kein anderes Bauwerk.

Ground Zero - Twin Towers sind ein Lost Place
Ground Zero ist ein monströses Gebäude, aber die Twin Towers fehlen Manhattan

Ground Zero als Ersatz & Alternative der Twin Towers?

Echte Alternativen zu dieser Lost Place Sehenswürdigkeit in ähnlicher Form bestehen nicht. Ground Zero wurde errichtet. Der Architekt hat speziell die Fassaden des Gebäudes außergewöhnlich entworfen. Dennoch würde ich mir wünschen, ich hätte die Zwillingstürme einmal mit den eigenen Augen bei einer Städtereise gesehen.

Train Street Hanoi (Vietnam)

Die beiden bislang thematisierten zerstörten und verschwundenen Sehenswürdigkeiten wurden Opfer von Naturgewalten beziehungsweise des Menschen. Dass auch ein Zaun genügt, um ein Abenteuer zu nehmen und stattdessen einen Lost Place für Reisende zu generieren, beweist Hanoi.

Train Street Hanoi - leider ein Lost Place auf Reisen
Die Train Street in Hanoi wurde für Touristen geschlossen

In Vietnams Hauptstadt gab es bis 2019 die sogenannte Train Street, die meine Frau und ich im Mai 2019 noch ins Herz schließen durften. Züge fuhren mehrmals täglich zwischen den Häusern der Stadt entlang.

Kaum mehr als ein Meter Abstand blieb bis zu den Häuserfassaden, an denen dicht gedrängt neugierige Touristen standen.

Die Restaurants an den Bahnschienen in Hanoi

Die Zugstraße bestand über rund 200 bis 300 Metern nahezu ausschließlich aus Bars & kleinen Restaurants. Fast alle hatten Zugpläne ausliegen, damit die Touristen ihren Besuch planen konnten und einmal zu Gesicht bekamen, wie sich der Koloss seinen Weg durch die Häuserschlucht bahnte.

Es war ein Schauspiel, in einem Moment noch die typische Pho-Suppe und ein Bier zu genießen und Sekunden später aufgescheucht zu werden, weil die provisorischen Tische aufgrund des herannahenden Zuges abgebaut werden mussten.

Restaurant an der Hanoi Trainstreet
Restaurantbesuche an den Schienen gehören der Vergangenheit an

Die Train Street war der Hauptanlaufpunkt der Touristen in Hanoi, doch leider ist die Sehenswürdigkeit möglicherweise für immer verschwunden. Geschlossene Restaurants und kleine Zäune genügen, nachdem es der Regierung zu heiß wurde, da mehrfach die Bahn eine Notbremsung einleiten mussten.

Train Street-Alternativen in Südostasien

Man mag es kaum glauben, aber es gibt in Südostasien tatsächlich eine Alternative für die verschwundene Train Street in Vietnam. Die Rede ist von Thailands Railway Market, auch als Maeklong Railway Market bezeichnet, auf dem der Zug unfassbar nah an den nur für Sekunden eingeklappten Marktständen vorbeifährt.

Das Abenteuer ist ähnlich, doch die entspannte Restaurantatmosphäre fehlt in Thailand natürlich.

Video: Train Street Thailand (Quelle: Youtube/Christina Pfeiffer Youtube Channel)

Allerdings ist schon zu hinterfragen, ob man das Obst und Gemüse noch guten Gewissens genießen kann, nachdem der Zug nahezu wortwörtlich darüber gerauscht ist.

Notre-Dame in Paris

Nicht alle zerstörten Sehenswürdigkeiten verschwinden für immer! So zählt Notre-Dame in Paris nur zu den vorübergehenden Lost Places für Reisende, denn der Wiederaufbau wird sich voraussichtlich bis ins Jahr 2024 ziehen.

Ursprünglich sah es sogar danach aus, dass Notre Dame nie wieder in originalgetreuer Version das Licht der Welt erblicken würde, da sich unter anderem Präsident Macron dafür aussprach, eine Modernisierung vorzunehmen. Unter anderem war von einem grünen Dach die Rede.

Notre Dame - Lost Place Sehenswürdigkeit für einige Jahre
Notre Dame vor dem Brand im April 2019

Originalgetreuer Wiederaufbau bis Sommer 2024 beschlossen

Eine Alternative für den Lost Place Notre-Dame braucht es nicht, denn die Wiedereröffnung bis 2024 scheint weitaus sicherer als die Fertigstellung der zur WM 2006 geplanten Autobahn zwischen Chemnitz und Leipzig.

Schließlich ist Notre-Dame ein Prestigeprojekt. Einerseits aufgrund der weltweiten Trauer beim Brand von Notre-Dame am 15. und 16. April 2019 und andererseits aufgrund Macrons Versprechen, dieses Pariser Wahrzeichen in fünf Jahren neu zu eröffnen.

Hintergrund des Zeitfensters sind die im Juli und August 2024 geplanten Olympischen Sommerspiele in Paris.

Varosha in Famagusta (Nordzypern)

Kann ein bereits bestehender Lost Place für Reisen eigentlich zerstört werden? Möglicherweise schon. In letzter Zeit mehren sich die Gerüchte, dass das seit rund 40 Jahren eingezäunte ehemalige Urlaubsparadies Varosha in Nordzypern zeitnah zumindest teilweise wieder der Öffentlichkeit freigegeben wird.

Seit der Machtübernahme der Türkei, die als einzige die Nation „Türkische Republik von Nordzypern“ anerkennen, ist Varosha als militärisches Sperrgebiet eingezäunt.

Natürlich durfte das rund vier Quadratkilometer große Gebiet nie öffentlich als Sehenswürdigkeit angepriesen werden, doch diverse Touristen strömten gerade deswegen nach Famagusta.

40 Jahre alte Neuwagen in einem Autohaus?

Doch warum ist Varosha derart interessant? Bekannt sind unter anderen eine langsam in sich zusammenfallende Kirche am Rande des eingezäunten Bereichs. Auch die hohen Häuser hinter dem Stacheldraht am Strandabschnitt erzeugen magische Blicke.

Und dann gibt es ja noch diverse Youtube-Videos und Gerüchte, beispielsweise von über die Jahre halb aus der Verankerung gerissenen Kronleuchtern oder einem Autohaus mit über 40 Jahre alten Neuwagen.

Video: Geisterstadt Varosha (Quelle: Youtube/Happy Traveler)

Sei es drum, wenn Varosha wieder der Öffentlichkeit freigegeben wird, werden all diese Mythen und das schaurige Gefühl vor Ort für immer der Vergangenheit angehören.

So schnell kann ein Lost Place für Reisen zerstört werden, der streng genommen laut Regierung niemals als bald verschwundene Sehenswürdigkeit zählen dürfte. Und leider wird es auch nie eine Alternative dafür geben. Wenn doch die Neuigkeiten zumindest echte Friedensgespräche in Zypern ins Rollen bringen würden…

Kennst Du weitere Lost Places von Deinen Reisen?

Das waren meine Top-5 der verschwundenen Sehenswürdigkeiten im 21. Jahrhundert samt Tipps für potentielle Alternativen. Vier davon durfte ich noch im Urzustand besuchen, nur für die Zwillingstürme in New Yorks Herzen bin ich zu spät geboren.

Kennst Du noch weitere kürzlich erst zerstörte Sehenswürdigkeiten, die Du noch ansehen durftest und dafür dankbar bist? Schreib sie gern in die Kommentare!

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