Riisa Trail Soomaa Park
Europa

Soomaa Nationalpark Infos & Tipps zu Wanderwegen sowie Tierwelt

„Geh unbedingt im Soomaa Nationalpark wandern!“ Diese Empfehlung bekam ich Tage vor meiner Baltikum-Reise von einem Kumpel und seiner aus Estland stammenden Frau zu hören.

Jene kommt aus der Kleinstadt Viljandi unweit des Hochmoor-Gebietes und ist entsprechend voreingenommen, doch mit dem Soomaa Nationalpark als Tipp ist sie in den Weiten des Netzes keineswegs allein.

Nach meinem Besuch des Soomaa Nationalparks gibt es eine Empfehlung mehr im Internet für die größte Moorregion Estlands, die kraftvoll schimmernden Farben und die wundervoll angelegten Wanderwege im Moorgebiet.

Neugierig geworden? Komm mit mir in den Soomaa Nationalpark und erfahre alle Tipps für die Anreise, Wanderwege & Kanu-Ausflüge in der sogenannten fünften Jahreszeit in diesem Reisebericht.

Teich im Soomaa Naturpark
Die wundervollen Spiegel im Soomaa Nationalpark

Soomaa Nationalpark – Infos, Tipps & Zahlen

Während in anderen Regionen auf dem Erdball Torfschichten in Moorgebieten abgebaut werden, gingen die Esten bereits vor circa 30 Jahren einen gegensätzlichen Weg. 1993 wurde der Soomaa rahvuspark gegründet, um Moore & Sümpfe in der Zukunft zu schützen.

Soomaa lässt sich mit „Land der Sümpfe“ übersetzen und wurde wenige Jahre später in den auserwählten Zirkel der Naturschutzgebiete Europas aufgenommen. Entsprechend bleiben die großflächigen Moorgebiete auf dem fast 400 Quadratkilometer großen Gebiet quasi unberührt.

Ruhe im Soomaa Nationalpark
Der Riisa-Pfad führt entlang des Waldes. Je kleiner die Bäume, umso mehr Moor darunter.

Eine kleine Ausnahme stellen die geführten Touren mit Moorschuhen dar. Diese gefährden aber die Torfschicht und somit den Lebensraum zahlreicher Tierarten nicht.

Ein kleiner Fun-Fact ist, dass eine nach Estland ausgewanderte Deutsche den Nationalpark pflegt und damit die Heimat von zahlreichen Reptilien, Vögeln & selbst Bären sowie Elchen.

Anreise: Wie komme ich zum Soomaa Nationalpark?

Den Esten fällt es bislang reichlich schwer, den Tourismus von jenseits der Landesgrenzen anzukurbeln. Und der Fußball zieht in Estland auch nur die verrückten Groundhopper an. Nur selten habe ich im kleinsten Staat des Baltikums Urlauber aus Westeuropa gesehen, die das Staatssäckchen aufbessern.

Aus diesem Grund ist die Anreise zum Sooma Nationalpark selbst ab der nur 40 Kilometer entfernt liegenden Sommerhauptstadt Pärnu reichlich beschwerlich. Nur ein bis zwei Mal am Tag fahren Busse mit Umstieg nach Riisa – zu keineswegs glücklichen Zeiten. Geführte Touren werden nicht viele angeboten – maximal mit dem Kanu in der fünften Jahreszeit.

Soomaa Nationalpark Tipp: die Farben genießen
Braun, rötlich, grün und gelb – die Farben des Moorparks

Kurz gesagt ist ein Auto zum Besuch des Soomaa Nationalparks für die Anreise fast schon verpflichtend. Da ich ohne Leihwagen Pärnu besuchte, war ich reichlich dankbar, am Vortag zufällig zwei bekannte Gesichter aus der Heimat in die Arme gelaufen zu sein. Ein Glück ist die Welt ein Dorf.

Für den Soomaa Nationalpark konnten selbst die als Kultur- und Naturbanausen verschrienen Fußball-Reisenden überzeugt werden.

Die Rundwanderung durch das Riisa Moor (Riisa Lehrpfad)

Die ersten von zahlreichen Schritten bei unserer Wanderung im Soomaa Nationalpark gingen durch das Riisa Moor im Norden gleichnamiger Stadt.

Der Riisa Lehrpfad ist ein Rundwanderweg mit knapp fünf Kilometern Länge, der fast vollständig auf Holzstegen durch das Moor führt.

Nur für einige hundert Meter schlängeln sich die Bretter durch ein tieferes Waldgebiet mit höheren Bäumen. An der Höhe der Vegetation im Umfeld lässt sich schließen, wie ausgeprägt die zum Teil bis zu 7 Meter tiefe Torfschicht ist. Mächtige Bäume gibt es nur in der Ferne, während auf dem Moor selbst nur kleinere Sträucher, Moose und Gräser wachsen.

Soomaa Nationalpark & Wolkenhimmel
Spiegel am Rande der Boardwalks

Klingt langweilig, ist es aber nicht. Dafür sorgt die gefühlte Farbexplosion. Die tiefen Rot- und Gelbtöne in der Landschaft beeindrucken bei blauem Himmel und nur vereinzelten Wolken. Zudem fliegen nahezu ununterbrochen Libellen und Schmetterlinge vor die Augen. Kleine Echsen sonnen sich auf den Holzstegen.

Kleine Pools als Highlight der Moorwanderung

Die schönsten Stellen des Soomaa Nationalparks und mein Tipp für ein Päuschen sind die Pools oder Spiegel; kleine Wasseransammlungen, in denen sich die umliegende Vegetation spiegelt, weiße Seerosen blühen und man sogar baden darf. Allein vor Kopfsprüngen wird aus verständlichen Gründen allseits gewarnt.

Nach etwas mehr als 2,5 Kilometern erreichen wir einen kleinen Aussichtspunkt auf der Wendeschleife. Ich hielt die Holzkreation mit kaum fünf Metern Höhe mitten im Riisa Moor des Soomaa Nationalparks zunächst für kein großes Highlight, doch bei der flachen Landschaft verändert sich der Ausblick bereits enorm.

Spiegel im Riisa-Moor
Die Pools an der Wendeschleife…

Während die bisherige Route im Zickzack-Muster verlief, geht es fortan geradewegs dem Startort entgegen. Als wir den kleinen Parkplatz erreichen, stehen zumindest sechs Autos darauf. Auf insgesamt 4,8 Kilometern begegnete uns nur eine dreiköpfige Familie. So schön die Ruhe und Idylle auch ist, der Soomaa Nationalpark ist ein Highlight in Estland und hätte mehr Besucher verdient.

Ingatsi Trail – Wanderung durch ein jährlich überschwemmtes Gebiet

Selbst wenn man mit Müh und Not mit dem öffentlichen Nahverkehr den Soomaa rahvuspark erreicht, wird es ab sofort kompliziert. Knapp acht Kilometer trennen den leicht abseits gelegenen Riisa Lehrpfad von den meisten anderen Wanderwegen in der Moorlandschaft.

Nach circa zwei Kilometern verschwindet der Teerbelag und auf Schotterpisten fahren wir dem Startpunkt für den Ingatsi Trail entgegen. Jener ist mit einer Länge von circa 4,3 Kilometern knapp kürzer. Wandermuffel haben sogar die Möglichkeit, noch ein wenig abzukürzen.

Boardwalks des Ingatsi Trails
Die Hälfte des Ingatsi Trails führt durch Wälder

Im Gegensatz zur Moorwanderung in Riisa geht mehr als die Hälfte des Ingatsi Trails durch dichte Waldgebiete, in denen manch Tier durch das Gestrüpp rennt und zahlreiche Pilze gepflückt werden können.

Beeindruckend ist, dass die gesamte Waldregion in der sogenannten fünften Jahreszeit im März und phasenweise auch April jährlich unter Wasser steht. An manchen Bäumen sind Pegelstände angebracht. Besonders tief in Wasser getaucht wurde das Waldgebiet 2010, doch Hochwasser sind eher die Regel denn eine Ausnahme.

Der höchste Moorvorsprung Europas

An die acht Meter heran reicht die Höhe des Moorrandes, womit das Moor des Soomaa Naionalparks die Spitzenposition in Europa einnimmt. Ein Bild am Wegesrand verdeutlicht, wie übel die Überschwemmungen phasenweise an dieser Stelle ausfallen.

Überschwemmungen in der 5. Jahreszeit sin hier Alltag
So sieht es am Moorvorsprung beim jährlichen Hochwasser aus. 2010 war besonders arg.

Der Ingatsi Trail hält noch zwei Highlights für Wanderer bereit. Links taucht nach nur wenigen Metern auf dem Holzsteg eine blau gefärbte Aussichtsplattform auf, von der man einen perfekten Blick auf die Weiten des Moores hat.

Einige hundert Meter später beginnt der Bohlenweg – ein Rundweg, der zahlreiche Pools des Moores umschließt. Die Natur ist eine Augenweite. Herrlich zu spüren, wie die Last des Arbeitsalltages der vergangenen Monate immer weiter abfällt.

Estlands fünfte Jahreszeit

Viele Touristen verbinden einen Besuch der Sommerhauptstadt Pärnu mit dem Nationalpark Soomaa – so auch ich. Allerdings lohnt es sich gewiss, bereits im Frühjahr die Moorregion zu besuchen, denn dann eröffnet sich ein völlig neues Bild.

Die fünfte Jahreszeit wütet im März vor dem Frühling in Estland. Viele Gebiete rund um die Moorregionen stehen unter Wasser. Die Überschwemmungen entstehen, da die Flüsse Raudna und Halliste das Schmelzwasser nicht aufnehmen können. Ganze Wälder und Felder werden überflutet.

Die Spiegel im Soomaa Nationalpark
Die Wolken spiegeln sich in den Pools des Soomaa Naturparks

Das Naturschauspiel würde ich zu gern mit einer der täglich stattfindenden Kanutouren irgendwann aus nächster Nähe erleben. Es klingt schon gespenstisch, wenn die Stämme von Birken und anderen großen Bäumen im Wasser stehen und sich seelenruhig das Kanu seinen Weg bahnt.

Die nur einige Wochen anhaltenden Überschwemmungen schaden der umliegenden Vegetation kaum.

Soomaa Tipps: Die schönsten Wanderwege im Moor

Wer im Nationalpark Soomaa wandern möchte, kann einerseits die Übersichtstafeln am Beginn eines jeden Wanderweges ansehen, oder aber im Besucherzentrum in Tipu eine passende Karte in Empfang nehmen.

Ingatsi Trail samt Pilzen
Auf dem Ingatsi Trail gibt es Pilze in Hülle und Fülle – nicht alle sind essbar.

Das Infozentrum des Soomaa Nationalparks ist im Sommer (Mitte April bis Mitte September) von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Im Winterhalbjahr schließt das Besucherzentrum bereits zwei Stunden eher.

Die Sooma-Wanderwege im Überblick

  • Riisa Lehrpfad (4,8 Kilometer)
  • Ingatsi Trail (4,3 Kilometer)
  • Meiekose Trail (5,6 Kilometer)
  • Lemmjoe keelemetsa Trail (5,8 Kilometer)
  • Hüpassaare Trail (4,4 Kilometer)
  • Koprada Trail (1,8 Kilometer)
  • Öördi Trail (2,4 Kilometer)
  • Kuuraniidu Trail (1,0 Kilometer)

Tiere – Wo versteckt sich der Elch?

Soomaa ist die Heimat zahlreicher Tiere. Wie wichtig der Naturpark für Natur und Tier ist, zeigen einige Dekorierungen. 2009 erhielt die Moorregion als Schutzgebiet die Auszeichnung „European Destinations of Excellence“. Mit einer großen Portion Glück lassen sich selbst außergewöhnliche Tiere ablichten.

Beispielsweise leben in Estland knapp 10.000 Elche. Auch Bären und Wildschweine finden am Rande der Moorgebiete einen natürlichen Lebensraum vor. Zur Relativierung muss ich aber erwähnen, dass selbst mein Kumpel, der ein ganzes Jahr in Estland lebte, keinen Elch zu Gesicht bekam.

Kleine Echsen und Libellen an jeder Ecke

Nach anderen Tieren lässt sich hingegen die Uhr stellen. Verschiedenartige Reptilien wie Echsen huschen regelmäßig über die Boardwalks. Libellen sind allgegenwärtig und zahlreiche Vogelarten verbreitet. Speziell auf dem Bieberpfad lässt sich gleichnamiges Nagetier oft finden.

Auch ohne Moorschuhwanderung war der Soomaa Nationalpark ein toller Tipp einer Einheiischen und eines der Highlights meines Estland-Trips. Weiter ging es unter anderem in die Märchenstadt Tallinn.

Noch nicht genug von Naturparks? Dann schau doch mal beim Slawonien Roadtrip vorbei!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

4 × 1 =

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.