Emmen Fans zu Weihnachten
Groundhopping

Groundhopping in Holland: Eredivisie-Komplettierung

Fußballreisen nach Holland sind wie ein Bierchen einst an der Uni, um die Wartezeit in einer freien Unterrichtseinheit zu verkürzen. Eigentlich unvernünftig, irgendwie doch reizvoll und bei wiederkehrender Ausübung gehörig zu hinterfragen.

Groundhopping in Holland ist für mich phasenweise zu einer liebgewordenen Tradition im späten Dezember und Januar geworden. Während der heimische Chemnitzer FC den mehr oder eher weniger verdienten Winterschlaf genoss, rollte im Land der Tulpen, des Käses und sonstiger Genussmittel der Ball.

Wenn dann noch goldene Anstoßzeiten die Dopplung von Spielbesuchen in hohen Ligen ermöglichen und die Frikandel-Sehnsucht des Magens zur neuerlichen Durchforstung von Spielplänen führt, lassen einen die im Mittel wenig ruhmreichen Stadien des Landes, UK-lastige Supportbemühungen der Fans und verhältnismäßig hohe Eintrittspreise nicht mehr von der Reise in die Niederlande abhalten.

Dieser Artikel ist ein kleiner Rückblick auf ein vorweihnachtliches Wochenende im Dezember 2018, an dem mit den besuchten Stadien 16, 17 und 18 die Komplettierung der holländischen Eredivisie gelang. Eines der Ziele, die man sich nie zu setzten getraut hätte.

Venlo Stadion (außen)
Stadion de Koel – eines von drei unbesuchten Stadien der Eredivisie

Wenn Du nur eine Frage zum Ticketkauf mit oder ohne Clubcard hast, dann empfehle ich, im Inhaltsverzeichnis direkt zur passenden Überschrift zu klicken.

Am Ende dieses Berichts zu meinen Groundhopping-Erfahrungen in Holland gehe ich noch auf die etwas unklare Ticketsituation, Clubard-Pflichten und mehr in vielen Stadien Hollands ein.

Jackpot im Spielplanroulett

In einem langweiligen Moment zum Anfang der Eredivisie-Saison 2018/19 suchte ich die Wochenenden heraus, an denen Venlo, Fortuna Sittard und der Aufsteiger aus Emmen allesamt ein Heimspiel austragen durften. Insgesamt zwei Termine innerhalb eines Jahres sollte es geben.

Venlo Innenstadt zu Weihnachten
Venlos Innenstadt in Weihnachtsstimmung

Zu diesem Zeitpunkt war nicht davon auszugehen, dass die exakte Terminierung tatsächlich den Spielbesuch bei allen drei Vereinen ermöglichen würde, doch Ende Oktober führte die vorerst fixe Terminierung zur vor Freude geballten Faust vor dem Notebook.

Zwei Ungewissheiten blieben, denn einerseits wird in Holland rund um Weihnachten (das Wochenende ging vom 21. bis 23. Dezember) gern mal umterminiert und andererseits hatte die gesamte Chemnitzer Hoppinglandschaft eine Menge Ausreden. Entweder waren die Stadien nicht neu, die Weihnachtsgeschenke noch nicht verpackt oder Groundhopping in Holland einfach zu langweilig.

Entsprechend ging es – da der holländische Verband die Terminierungen nicht durchwürfelte – an einem Freitagabend, bei Temperaturen weit über dem Gefrierpunkt, nur zu zweit rund 600 Kilometer westlich über die Autobahn.

Verrücktes Vereinskürzel beim Nachbarn aus Venlo

Welch Clown hat da eigentlich bei der Namensgebung mitgewirkt? Der bekannteste Venloer Fußballverein hört doch tatsächlich auf das Vereinskürzel VVVV und den vollständigen Namen Venlose Voetbal Vereniging Venlo. Ich finde die Sprache der Holländer ja schon witzig genug, doch dieses Kürzel ist die Krönung.

Venlo Fans Choreo
Für holländische Verhältnisse war in Venlo eine Menge los

Dabei ist VVV Venlo kein Clown-Verein, sondern mit Gründungsjahr 1903 einer der ältesten Fußballvereine Hollands und zugleich die Fahrstuhlmannschaft der Liga.

Weihnachtsbasar: Zweites Ticket für umme!

Gute Laune lieferten die Schwarz-Gelben schon am Stadiontor, denn im Rahmen einer 2:1-Weihnachtsaktion brachte der Kauf einer Eintrittsgenehmigung ein zweites Exemplar hervor. Entsprechend durfte ein Scheinchen zurück ins Reiseportmonee wandern.

Seit einigen Renovierungen passen längst nicht mehr die 24.500 Zuschauer ins Stadion, die beim Zuschauerrekord 1977 gegen Ajax Amsterdam im Stadion waren. Während die meisten Tribünen dem üblichen holländischen Einheitsbrei entsprechen, überzeugt die Haupttribüne.

Weitere Umbaumaßnahmen wurden bereits im Dezember 2018 versprochen, doch viel scheint bis heute nicht passiert zu sein.

Etwas mehr als 7.000 Zuschauer sahen einen 2:0-Heimsieg gegen Zwolle. Keine größere Aktie daran trug Nils Röseler in der Abwehr des Gastgebers, der einst seine Schuhe für den CFC schnürte.

Wesentlich netter anzusehen als das Gestocher auf dem schweren Geläuf sind die vielen Gassen in Venlos Innenstadt. Wer in West-NRW daheim ist, kann durchaus hin und wieder eine kleine Stippvesite unternehmen. Ground 16 von 18 in Hollands höchster Spielklasse: Check!

Genächtigt haben wir übrigens so nah an der Grenze zum Heimatland, dass bereits der morgentliche Waschgang fast zur Grenzüberquerung führte. 1,5 Meter trennten unser Hotel von Deutschland.

Aachener Dom & Dreiländereck: Kultur am Samstag

Rund 100 Kilometer südlich von Venlo, am Ende der Südzunge der Niederlande, treffen die Grenzen von Deutschland, Belgien und Holland zusammen. Nur wenige Kilometer entfernt liegt die westlichste Stadt der Bundesrepublik: Aachen!

Aachener Dom
Aachener Dom

Entsprechend lag es auf der Hand, zuerst dem Aachener Dom und anschließend dem Grenzpunkt einen kleinen Besuch abzustatten. Besonders schön am auch als Aachener Münster bezeichneten UNESCO-Weltkulturerbe ist, dass der Dom aus zahlreichen Teilbauten besteht. Die jeweilige Baukultur entspricht der jeweiligen Entstehungszeit und erstreckt sich über fast 1.000 Jahre.

Um es in diesem Bericht mit einem Fußballvergleich zu umschreiben: Der Dom in Aachen ist zerpflückt, wie die einzelnen Tribünen der Grotenburg des KFC Uerdingen in Krefeld. Und Fußballfans sind sich bekanntlich einig, dass genau darin der Reiz besteht. Den ausgestreckten Daumen bekommt der geschichtsträchtige Bau damit.

Dreiländereck: Deutschland, Belgien & Holland

Wenige Kilometer westlich befindet man sich bereits wieder in Holland – wahlweise auch Belgien. Das Dreiländereck ist einer der kulturellen Spots der Umgebung, sodass für den Touristen der Balduin-Turm erbaut wurde. Im Tausch gegen wenige Münzen gibt es die Aussicht aus rund 50 Metern Höhe.

Dreiländereck Deutschland-Belgien-Holland Flaggen
Das Dreiländereck Deutschland-Belgien-Holland

Ein wenig fehlte an dieser Stelle die Anwesenheit eines Dauergastes bei Groundhopping-Reisen mit dem Auto. Dessen Höhenangst in Kombination mit der Sehnsucht nach Erlebnissen führt immer wieder zu witzigen Momenten. Keinen Monat später sollte er sich an die Eisentreppen des Eiffelturms klammern. Respekt dafür, wie jemand sich trotz der bestehenden Angst immer wieder von der Neugier verführen lässt.

In den Wintermonaten nicht geöffnet hatte das Labyrinth unweit des Turmes, welches damit für den nächsten Besuch auf der To-Do-Liste bleibt. Auf zum Fußball!

Ticketsorgen bei Fortuna Sittard

Mit einer Sekunde stand das Ziel des Wochenendes, die Komplettierung der Eredivisie Hollands, in höchster Gefahr. Eigentlich hatte ich via Social Media die schnelle Antwort erhalten, dass der Ticketkauf am Stadion kein Problem darstellen würde. Die Polizei bekam allerdings wegen des Postings einer Fangruppierung Schnappatmung.

Die Konsequenz: Das Match Fortuna Sittard vs. Groningen mit quasi Null Brisanz wurde zum Hochsicherheitsspiel erklärt, was zeitgleich den Ticketkauf am Spieltag ausschloss. Blöd nur, wenn diese Information von Seiten der Staatsmacht auch erst am Spieltag die Runde macht.

Fortuna Sittard Stadion
Und doch noch drin… zu Gast bei Fortuna Sittard

Es folgte die übliche Diskussion am Ticketschalter mit der Bitte um eine Sondereintrittsgenehmigung, da man am Wochenende etwa 1.500 Kilometer im Auto sitzen würde, um die Grün-Gelben auf dem Rasen zu sehen. Half alles genauso wenig, wie der Screenshot mit der Bestätigung, am Stadion Tickets kaufen zu können

Unterstützung von höchster Instanz

Während das Hopping-Greenhorn an meiner Seite die Chance auf die Enterung der Stadionmauern am Nullpunkt sah, suchte ich mir den Menschen im Anzug, der hier die höchste Position zu haben schien und klagte ihm mein Leid. Es dauerte keine fünf Minuten, bis wir zwei Freikarten in den Händen hielten. Merci!

Das große Tier mit Schlips und Kragen musste kurz darauf nochmal am Eingang die VIP-Mädels besänftigen, die uns aufgrund eines logischerweise ungültigen Scann-Codes nicht ins Innere lassen wollten.

Wenig Aufregung & keine Tore im Stadion

Die 8.283 offiziellen Zuschauer (+ 2 deutsche Ganoven) sahen ein tristes 0:0 bei tristen Winterwetter. Die Heimseite lieferte eine Mini-Choreographie unter dem Motto „It was a great year“ inklusive überdimensionierten Papp-Weihnachtsmann mit gefülltem Sack. Und vor diesen Herren hat der Freund und Helfer Hollands Angst? Egal, Stadion 17 von 18 – Check!

Frikandel Special & Fritten
Frikandel Special & Fritten

In kulinarischer Hinsicht ist Holland immer wieder eine Herausforderung und keineswegs gesund. Obwohl der berühmte Käse eigentlich eher etwas für den Gourmet ist, haben die Niederländer bekanntlich auch eine nette Fastfood-Alternative. Frikandel & weitere frittierte Fleisch- und Wurstangebote ließen Magen und Darm ackern. In Kombination mit Pommes & Mayo definitiv nichts für den Alltag.

Für den Neuling: Frikandel immer „special“ bestellen, damit es nicht die nackte frittierte Wurst gibt, sondern diese mit einer Soße und vielen kleinen Zwiebelstückchen überzogen gereicht wird.

Der Tag vor Heiligabend: 8.301 Weihnachtsmänner in Emmen

Während Venlos Innenstadt am Freitag nett anzusehen war, ist Emmen mit rund 108.000 Einwohnern eine Stadt ohne große Highlights. Dies ist zumindest der Eindruck aus dem Autofenster, denn im strömenden Regen war uns nicht nach einer intensiven Stadtbesichtigung.

Entsprechend früh ging es zum Stadion De Oude Meerdijk, in dem trotz der unangenehmen Umstände keine 300 Plätze unbelegt bleiben sollten. Schon knapp zwei Stunden vor dem Anpfiff wurde unter einem großen Zelt der Jahresabschluss mit einer Menge Alkohol gefeiert.

Weihnachtsmann in Emmen
Verfrühtes Weihnachtsgeschenk – Komplettierung der Eredivisie

Aufgrund der nach den 90 Minuten folgenden 614 Kilometer langen Heimreise ließen wir die Becher jedoch unberührt stehen. Stattdessen gab es am Eingangstor eine Weihnachtsmütze geschenkt, was ein wenig Tradition ist und mir auch schon in Belgien passierte.

Weihnachtsgeschenk: 18/18 in der Eredivisie

Auf dem Platz musste der Aufsteiger Leergeld zahlen. Etwas mehr als 8.000 Zuschauer sahen ein 0:2 gegen Willem 2. Der Gast aus Tilburg zählt keineswegs zu den Schwergewichten der Liga, sodass mit der Pleite die Abstiegssorgen wieder realer wurden.

Mir war es egal, denn mit dem Abpfiff war auch das 18. Fußballstadion in Hollands höchster Liga mit einem Spielbesuch ‚gekreuzt‘. In Tschechien gibt es dafür eine Klobasa – hier noch eine Portion Frikandel Special, bevor der Weg in die Heimat anstand.

Weitere Ziele sind schon da, denn dank neuer Aufsteiger ist die Eredivisie Stand Mai 2020 nicht mehr komplett.

Groundhopping in Holland – die wichtigsten Fragen & Antworten

Da in Groundhopping-Foren immer wieder Neulinge fragen, wie man Tickets in der Eredivisie kauft und was es sonst noch zu beachten gibt, möchte ich nachfolgend die wichtigsten Fragen beantworten:

Brauche ich eine Club-Karte, um in Holland Tickets zu kaufen?

→ Die Regeln ändern sich immer wieder. Phasenweise galt eine Pflicht für Erstligisten, Tickets nur gegen Vorlage einer persönlichen Club-Karte zu verkaufen. Aktuell gibt es in den allermeisten Stadien Tickets auch bei Vorlage von Personalausweis oder Reisepass. Ich persönlich habe nur bei 2-3 einzelnen Vereinen (Heracles Almelo beispielsweise) damals eine Club-Karte beantragen müssen.

Wie komme ich an eine Club-Karte für Vereine der Eredivisie?

→ Die Beantragung der Club-Karte kann auf zwei Wegen erfolgen. Entweder die Vereine ermöglichen die Online-Beantragung mit Abholung am Stadion oder die Personalisierung erfolgt direkt am Stadiontor. Eine zeitnahe Anreise ist in beiden Fällen zu empfehlen.

Wo und wie erfahre ich, ob eine Club-Karte für den Ticketkauf nötig ist?

→ Alle Ticket-Informationen lassen sich IMMER auf der offiziellen Website (und meist auf Social-Media-Kanälen) finden. Wer die Antwort nicht sofort findet, bekommt bei Mails / FB-Anfragen an den Verein im Regelfall schnell eine Rückmeldung.

Wie komme an Tickets bei PSV Eindhoven?

→ Es hat sich herumgesprochen, dass der Ticketkauf beim sportlichen Vorzeigeverein (zuletzt abgelöst von Ajax) für Ausländer besonders schwer ist. Bei der PSV ist der Kauf online für Ausländer nicht möglich, sofern man kein Touristenpaket für viel Geld erwerben möchte.

Am Stadion wird oft gegen Vorlage eines Ausweisdokuments ein normales Ticket verkauft. Wenn davon auszugehen ist, dass das Match nicht ausverkauft sein wird, dann reise ohne Ticket an, anstatt mit dem Touri-Paket eine Menge Geld in den Rachen der PSV Eindhoven zu stopfen.

Was tun, wenn die Bezahlung der Online-Tickets mit ausländischer Kreditkarte nicht funktioniert?

→ Dieses Problem taucht tatsächlich häufig auf. Ich habe daraufhin fast immer den Verein angeschrieben, das Problem erläutert und um die Rücklage der Tickets unter meinem Namen gebeten. Das funktionierte stets. Eine Bezahlung im Voraus ist nicht notwendig.

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