Ho Chi Minh Mausoleum
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Hanoi Geheimtipps: Sehenswerter Großstadtdschungel oder Roller-Frustration?

Die Meinungen sind vielschichtig. Sollte Hanoi in den Tipps für eine Reise nach Vietnam auftauchen? Trotz der kritischen Worte einer Bekannten, genossen meine Frau und ich den Großstadtdschungel sowie diverse von Hanois Sehenswürdigkeiten.

Wenn Du noch unentschlossen bist, dann freue Dich auf eine lange Liste heißer Hanoi Geheimtippsin Sachen Nightlife, Must-See-Sehenswürdigkeiten, Streetfood und mehr. Auf Dich wartet das wohl billigste Bier der Welt, chaotische Verkehrsverhältnisse, der Kult um Ho-Chi Minh & vieles mehr. Auf ins Abenteuer!

Hanoi Tipps: Die TrainStreet steht ganz oben
Hanoi Tipp der Vergangenheit? Die Trainstreet

Tipps für die Anreise nach Hanoi

Endlich Vietnam! Die Anreise nach Hanoi hatte sich aufgrund eines langen Stop-Overs in Peking und einem Abflug vom über 500 Kilometer entfernten Flughafen Düsseldorf gezogen! Eigentlich wäre ein wenig Ruhe optimal gewesen, doch hatten wir jene maximal früh um 5 Uhr vor dem Airport beim Warten auf Bus Nummer 17, der einen für für unschlagbare 5.000 Dong (18 Cent) von Hanois Airport in die Innenstadt beförderte.

Flüge nach Hanoi gibt es für wenig Geld von fast allen Ländern Südostasiens, China und vielen weiteren Staaten. Wer lieber auf dem Landweg anreist, findet übrigens moderne Reisebusse mit wesentlich mehr Luxus als in Westeuropa üblich vor.

Lärm, Roller, Verkehrschaos: Großstadtdschungel Hanoi

Wer Nationen wie Indonesien oder Vietnam nie zuvor einen Besuch abstattete, der wird die Reizüberflutung deutlich spüren.

Auch wenn Nordafrika oder andere Länder Südostasiens bereits nicht mit Europa hinsichtlich des Verkehrschaos‘ und Schadstoffausstoßes vergleichbar sind, Hanoi oder Jakarta setzen nochmal eine gute Portion drauf.

Hanoi Rollerverkehr
Auf Hanois Straßen geht es heiß her!

Ein bekanntes Hamburger Hoppingheft schrieb einst davon, dass es wohl an Dummheit nicht zu überbieten sei, sich in Jakarta am Airport einen Mietwagen zu nehmen und in die Innenstadt zu fahren. Hanoi mag die Vorstufe sein, doch 80 Roller an einer roten Ampel sind keine Seltenheit.

Hoan-Kiem-See: ein erster Hanoi-Tipp für etwas Ruhe

Doch damit genug der Worte von Hektik & Lärm und streng genommen hin zur ersten von Hanois Sehenswürdigkeiten. Der Hoan-Kiem-See ist einer der Orte, an denen die Einheimischen nach stressigen Tagen Erholung finden.

An manchen Stellen gönnen sich die Vietnamesen ihr Feierabendbier, an anderen schuften die Dauerbrenner für den perfekt gestählten Körper. Richtig gehört, mitten im Freien gibt es direkt am Hoan-Kiem-See ein kostenfreies Fitnessstudio. Jahrzehnte alte Hantelscheiben und diverse Trainingsgeräte werden von Jung und Alt genutzt.

Hoan Kiem See Schildkröte
Die älteste Schildkröte der Welt?

Die älteste Schildkröte der Welt im Jadeberg-Tempel?

Bei aller Begeisterung für das Miteinander der Vietnamesen, lag mein Fokus eher in der Mitte des Sees. Einerseits wegen des Schildkrötenturmes, der zentral aus dem Wasser hervorsticht. Andererseits der kleinen Insel am Ende der auf Bildern oft zu sehenden The-Huc-Brücke, für die ein kleines Eintrittsgeld (circa 1€) erhoben wird.

Dort befindet sich ein für südostasiatische Verhältnisse eher unspektakulärer Tempel, dafür aber ein unfassbar altes Tier. Die riesige Schildkröte Cu Rua soll fast 800 Jahre alt geworden sein. Inzwischen ist sie einbalsamiert durch Glasscheiben zu beobachten.

Übersetzt spazierte ich übrigens über den Schwert-See. Der Name geht auf die Legende zurück, dass eine goldene Schildkröte einem armen Fischer die Waffe aushändigte, mit der er unbesiegbar wurde. Später forderte der freundliche Spender aber das Schwert zurück, welches anschließend in den Himmel aufstieg. Ihr seht, der Vietnamese ist keineswegs unkreativ.

Hanoi Tipps: 5 Sehenswürdigkeiten, die Du nicht verpassen darfst

Der Blick auf Hanois größte Highlights wird einen Einblick in das Leben der Vietnamesen geben. Beispielsweise in deren Geselligkeit, die Liebe für Ho Chi Minh und natürlich den zurückliegenden Vietnam-Krieg.

Das Ho Chi Minh Mausoleum

Gleich am Anfang Politik – muss das sein? Nun, der Vietnamese ist stolz auf die Geschichte des eigenen Landes. Entsprechend gehört ein Besuch des Mausoleum von Ho Chi Minh zu den wichtigsten Hanoi Tipps. Jener ist bekanntlich ein kommunistischer Revolutionär, der die kommunistische Volkspartei gründete und sein Land nach Kriegen über unter anderem Frankreich und Japan in die Unabhängigkeit führte.

Ho Chi Minh Mausoleum
Eine Gedenkstätte, die „Onkel Ho“ nie wollte…

Bitter für den von Einheimischen gottgleich verehrten „Onkel Ho“ ist, dass er die Ausrufung der Unabhängigkeit und die Wiedervereinigung mit Südvietnam nie selbst erlebte, da er bereits einige Jahre davor im noch anhaltenden Krieg starb.

Ungewünschter Personenkult an wichtigster Hanoi Sehenswürdigkeit

Ho Chi Minh ist zweifelfrei eine der wichtigsten Personen des Landes und dennoch stellt sich die Frage, ob man sich das Mausoleum ansehen sollte. Der Hintergrund ist offensichtlich: Ho Chi Minh wollte nie, dass es ein Mausoleum für ihn geben würde. Gerüchten nach wollte er verbrannt werden und seine Asche in Nord-, Zentral- und Südvietnam verstreut werden.

Die Menschen lieben ihn jedoch viel zu sehr, um nicht immer wieder seiner Taten zu gedenken. Dies ist im Übrigen keineswegs überspitzt, denn Schulkinder haben einen jährlichen Besuch des Mausoleums im Kalender stehen. Selbst die Kleinsten schauen sich den Leichnam an. Welch irrer Personenkult.

Eine längere Verbotsliste als in Singapur?

Schulklasse – in meinen Augen waren es noch Kindergartenkinder – für Schulklasse betrat den ruhmreichen Bau. Für Touristen (und logischerweise auch Einheimische) ist zu beachten, dass kurze Hosen und ärmelfreie Shirts nicht gern gesehen sind. Ein zu freigiebiges Erscheinungsbild kann schnell zum Ausschluss in der Warteschlange führen. Eine Kopfbedeckung ist trotz drückender Temperaturen nicht erlaubt.

Onkel Ho Porträt
Überall werden Biler des verehrten Ho Chi Minh verkauft

Zunächst wird das Gepäck wie am Flughafen kontrolliert und später im Gebäude hätten Hände in den Hosentaschen oder ausgesprochene Töne zu bitterbösen Blicken der Security geführt.

Das Schauspiel kann man zwar kostenlos einmal mitgemacht haben, doch gilt es am jeweiligen Tag früh dran zu sein, damit die Wartezeit nicht zu ausgiebige Dimensionen annimmt.

Kleiner Hanoi Fun-Fact: Im Winter tritt Ho Chi Minh seinen Urlaub in Russland an. Dort wird der Leichnam jährlich wieder in den bestmöglichen Zustand versetzt.

Wasserpuppentheater – Vietnamesische Kultur für Touristen

Warst Du schon einmal in einem Theater, in dem mehrheitlich Ausländer saßen, obwohl die Show in einheimischer Sprache stattfand? Das Wasserpuppentheater ist für Touristen einer der beliebtesten Hanoi Tipps, obwohl man kein Wort versteht.

Einmal Kino auf vietnamesisch, bitte! Die Tradition des Wasserpuppentheaters geht bis ins 11. Jahrhundert zurück. Tief mit der vietnamesischen Kultur ist es verbunden, doch warum schauen die Einheimischen nur noch selten vorbei? Ein Grund sind die verhältnismäßig hohen Eintrittspreise.

Hanoi Tipp: das Wasserpuppentheater
Theater auf vietnamesisch: Das Wasserpuppentheater ist bei Touristen beliebt

Die Tickets für das Wasserpuppentheater in Hanoi liegen je nach Platz zwischen vier und acht Euro. Für letzteren Betrag könnte sich der Vietnamese sorgenfrei ein ganzes Wochenende den Bauch mit Street Food vollschlagen oder circa 85 gezapfte Bia Hoi gönnen.

Puppentanz mit Orchesterbegleitung

Doch wie läuft das Schauspiel ab? Am Rande sitzen Musiker mit vietnamesischen Instrumenten sowie Sänger, die das Schauspiel untermalen. Dazwischen befindet sich ein großes Wasserbecken, in dem auf Stangen montierte Wasserpuppen schauspielern. Dargestellt werden noch heute typische Szenen des Lebens, beispielsweise der Fischfang.

Auch die bereits beschriebene Legende vom zurückgegebenen Schwert im Hoan-Kiem-See wird regelmäßig aufgeführt. Die etwas andere Theatervorstellung erstreckt sich über etwa 40 Minuten und ist so außergewöhnlich, dass dieses Highlight klar zu empfehlen ist.

Train Street Hanoi: Ein abgelaufener Geheimtipp?

Hanois Train Street ist keine Sehenswürdigkeit im klassischen Stil, aber für meine Frau und mich trotz Halong Bucht und Co. ein richtiger Knaller.

Die Rede ist von der weltweit wohl einzigen Straße auf der gesamten Welt (in Thailand ist es eher ein Markt), auf der sich Streetfood-Restaurants befinden, an der die Menschen ihr Bier und Essen genießen, aber hier und da auf unnatürliche Art und Weise gestört werden.

Train Street Hanoi - leider ein Lost Place für Reisen
Wird je wieder ein Zug so begeistert empfangen werden?

In unregelmäßigen Abschnitten kommt der Zug. Der kündigt sich schon knapp eine Minute vorher an und dann werden eilig Tische und Stühle zur Seite geräumt, bevor der Koloss wenige Zentimeter neben einem die Straße entlang brettert. Sekunden später geht des gesellige Leben weiter – ein herrliches Schauspiel, an dem wir uns gar nicht sattsehen konnten.

Ist Hanois Train Street für immer verloren?

Unsere Reise fand im Sommer 2019 statt und nur kurz darauf wurde selbst in deutschsprachigen Medien publik, dass Hanois berühmte Zugstraße für immer schließen soll. Restaurants sollten schließen und Touristen der Zugang versperrt werden. Allerdings gibt es einige Reisende, die berichten, dass das Abenteuer Train Street in abgespeckter Form noch zu genießen ist.

Es würde nicht überraschen, wenn die Train Street irgendwann ihr Comeback feiert. Falls ja, dann nichts wie hin!

Update: Einsehen bei der Regierung. Seit 2023 ist die Train Street wieder vollständig (und legal) geöffnet!

Hoa Lo-Gefängnis

Von skurrilen Restaurants zurück in die Geschichte Vietnams! Das Hoa Lo-Gefängnis erinnert an längst vergangene und unfassbare grausame Tag. Es hat sich bis in europäische Breitengrade herumgesprochen, dass die Vietnamesen das Volk waren, welches den Vereinigten Staaten bei einer kriegerischen Auseinandersetzung mehr Paroli boten als jede andere Nation.

Hoa Lo Gefängnis McCain
Hier wurde bereits McCain gefoltert

Berühmter Insasse nach dem Vietnam-Krieg: John McCain

Bekanntheit in der heutigen Zeit erlangt das Hoa Lo-Gefängnis unter anderem durch US-Präsidentschaftskandidat John McCain, der dort eingesperrt und eigenen Berichten nach auch gefoltert wurde.

Die Unterbringungsmethoden waren schockierend. Teils wurden die Menschen an den Füßen gefesselt und mussten dann mit dem Kopf schräg nach unten liegend in einer Zelle ohne Essen und Licht ausharren. Gebaut wurde das Gefängnis in den 1890er Jahren noch von den Franzosen.

Diverse Ausbrüche gelangen, kommunistische Flaggen wurden gehisst und einstig inhaftierte spielten später eine relevante Rolle in der Politik. Ironischerweise wurde das Gefängnis aufgrund der in der Öffentlichtkeit als vorbildlichen vermittelten Inhaftierungsbedingungen als Hilton Hanois bezeichnet.

Bia Hoi in der illegalen Biermeile

Du wäschst jedes vom Baum gefallene Obst gründlich und legst auch sonst Wert auf Hygiene im Restaurant? Dann ist hinsichtlich des Bia Hoi-Ausschanks in Hanoi mein Tipp, dass Du die nächsten Zeilen schnell überspringst. Was wir hier sahen, ließ speziell meine Frau sprachlos zurück.

Bia Hoi Meile Hanoi
Hanoi Tipp für den Abend: Die halb legale Partymeile

Das Bia Hoi ist ein täglich frisch gebrautes Bier, welches auch nicht viel länger als 1-2 Tage zu genießen ist. Das gezapfte Glas gibt es zum Teil für unfassbare 18 Cent und gilt damit inoffiziell nicht zu Unrecht als das billigste Bier der Welt. Der Ursprung des Bieres stammt aus Tschechien. Insgesamt ist das Produkt etwas wässriger, sodass selbst Annette hin und wieder zuschlug.

Hygienestandards in Vietnam: nicht vorhanden

Das hätte sie besser nicht getan. Das Bier wurde teils direkt neben den Gästen gezapft, was allein schon ungewöhnlich ist. Gleiches gilt für den besseren Gartenschlauch, der dafür genutzt wird und dass benutzte Gläser tatsächlich nur einmal in Wasser getunkt werden. Als der durstige Schankmeister aber ein volles Glas selbst ansetzte, zwei Schlucke trank und das Bier anschließend zu den Gästen schickte, blieb meiner besseren Hälfte der Mund offen stehen. Wilkommen in Vietnam!

Ähnlich typisch für das Land ist, dass ein hoher Anteil des Umsatzes an der Steuer vorbeigeht oder die Restaurantfläche illegal vergrößert wird. Es ist schon ein Schauspiel, an der Hauptpartymeile zuzusehen, wie alle paar Stunden beim Eintreffen der Polizei diverse Läden schockartig die Tische hochklappen & kein Bier mehr verkaufen, bis der Freund und Helfer außer Sichtweite ist. Fünf Minuten später läuft das Partyleben weiter, als wäre nichts gewesen.

Allgemein muss man in Hanoi natürlich Vietnamesisches Street Food genossen haben!

Weitere Hanoi Geheimtipps

  • Literaturtempel Van Mieu

Auch der Quoc Tu Giam Park lädt wie die Gegend rund um den Hoan-Kiem-See zum Entspannen ein. In einem der wenigen Ruhepole in Hanoi ist das Highlight der Literaturtempel. Auch manch beeindruckend verwurzelter Baum wird dein Interesse anziehen.

Literaturtempel Hanoi Wurzeln
Irre Wurzeln im Park neben dem Literaturtempel
  • St.-Joseph-Kathedrale

Nur wenige Bauwerke in Hanoi Geheimtipps für den Stadtrundgang. Die Metropole lebt eher vom Feeling, der Geschichte des Volkes und der außergewöhnlichen Lebensweise. Die St.-Joseph-Kathedrale unweit des Hoan-Kiem-Sees stellt aber eine Ausnahme dar. Eine Ergänzung ist um das Opernhaus im französischen Viertel möglich.

  • Hom-Markt

Wer Globushopper kennt, weiß, dass ich Märkte liebe, auf denen es Früchte und sonstige Leckereien zu kaufen gibt. Auf zwei Etagen darf der Magen jubeln.

  • Tran-Quoc-Pagode

Der zwölfstöckige Turm am Westsee (größter See im Umkreis von Hanoi) ist ein sehr alter buddhistischer Tempel.

Fazit: Ist Hanoi sehenswert?

Meine Entscheidung steht fest. Obwohl das Reisen in Hanoi weitaus anstrengender als beispielsweise in der Trockenen Halong Bucht, selbst der Insel Cat Ba oder Sapa ist, habe ich die Stadt ins Herz geschlossen. Gerade in der Hektik steckt der Flair.

Eher unerwartet kamen die großen Unterschiede zwischen Arm und Reich. Es gibt tatsächlich Ecken in Vietnams nördlichen Ballungszentren, in denen sich Luxusläden stapeln, für die eigentlich kein Vietnamese finanzstark genug sein dürfte. Auf der anderen Seite lebt die breite Masse mit begrenzten Mitteln und vermittelt dennoch eine angenehme Zufriedenheit.

Die am ersten Abend gesehene Frau, die sich im Puls der Stadt einfach in eine Ecke hockte, um der Notdurft nachzugehen, lieferte doch nur eine verstörende Ausnahme. Auf der Reise durch den Norden Vietnams ist Hanoi ein Pflichttipp!

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