Cibao FC Teens
Groundhopping

Groundhopping in der Dom. Rep

Es gibt Menschen, die sind schon 10x in die Dominikanische Republik geflogen und haben dennoch nicht mehr als den hoteleigenen Strand sowie die Vergnügungsangebote zwischen Poolbar und Essenssalon gesehen.

Kategorie 2 lässt sich zumindest vom Reiseleiter zu kleineren Tagestrips überreden. Ach, wie sehr schätze ich doch reisesüchtige Leute, die sich selbst auf dem Weg ins Innere des Landes machen, anstatt den eigenen Körper in Sonnenstrahlen braten zu lassen.

Und dann wäre ja noch die Kategorie der Kandidaten, die irgendwann in der Kindheit einmal öfter in die Luft geworfen als aufgefangen wurden. Groundhopping in der Dominikanischen Republik – muss das wirklich sein?

Fußball in den Flitterwochen?

Zugegeben, die bessere Hälfte war vom traumhaften Hotel, mancher mit der Rezeption angezettelten Überraschung und dem weiten Blick über den Ozean bei Sonnenuntergang so zufrieden, dass ohne schlechtes Gewissen immer mal wieder Spieltermine der höchsten Fußball-Liga der Dominikanischen Republik überprüft werden konnten.

Cibao FC Stadion (außen)
Stadion des Meisters von 2018: Cibao FC

Erst kurz vor dem Abflug war klar, dass es einige realistische Optionen gibt, um den Fußball-Länderpunkt Dominikanische Republik im Urlaubszeitraum einzufahren.

Doch wie findet man eigentlich verlässliche Informationen für ein Groundhopping-Erlebnis in der Dom. Rep.? So leicht wie beispielsweise beim Groundhopping in Buenos Aires sind die Spieldaten nicht aufzufinden.

Erschwerte Suche nach Ansetzungen

Verabschieden kann man sich zweifelsfrei im Vorfeld von den üblichen Wegen auf der Suche nach verlässlichen Anstoßzeiten:

Bei Soccerway und Flashscore tauchen Ansetzungen teils erst am Tag vor dem Anstoß auf und eine Garantie des korrekten Stadions wird man in der Karibik auf solchen Mainstream-Seiten nie bekommen.

Zudem führt die verlinkte Website auf Wikipedia ins Leere. Die Herren mit Schlips und Kraken, die einst in der Uni schon bekannten, dass Wikipedia keine wissenschaftliche Quelle ist, hätten ihren großen Auftritt.

Facebook als Rettungsanker?

Während in Europa oft Facebook den Rettungsanker selbst bei den unwichtigsten Partien spielt, hatten in der Dominikanischen Republik die meisten Erstligisten 2018 noch keine eigene Seite erstellt.

Gleiches gilt für den Verband und die plötzlich doch in der Suchleiste auftauchenden Ergebnisse für „Dominican Republic“ beschränkten sich allesamt auf den wesentlich kleineren karibischen Inselstaat Dominica.

Ein Hoch auf Twitter und die LDF-Liga

Die Recherche des Liganamens in Kombination mit manch Twitter-Suche führte dann doch zum erwünschten Treffer und einer Seite, die regelmäßig Spielansetzungen veröffentlicht. Wer sich also irgendwann in der Dom. Rep. auf dem Weg zum Groundbesuch machen möchte, dem sei der Twitteraccount @LDFcomdo (damals LDF 2018) ans Herz gelegt.

Ob Dom. Rep oder Deutschland: Zu Gast beim CFC!

Wie es sich für einen echten Chemnitzer gehört, fiel die Wahl auf den CFC. Der Cibao Football Club war im Mai 2018 Tabellenführer der LDF Liga in der Dominikanischen Republik und sollte – ich nehme es vorweg – genauso einbrechen, wie es parallel der Chemnitzer FC in heimatlichen Gefilden tat.

Cibao FC Teens
Jung und alt gehen in der Dom.Rep zum Fußball

Mit dem Bus nach Santiago de los Caballeros

Zugegeben, der Vereinsname war für den Zuschlag nicht verantwortlich. Vielmehr überzeugte die Mischung, dass Cibao im nur etwa 1,5 Stunden Busfahrt entfernten Santiago de los Caballeros kickt, in einem der schönsten Stadien der Insel dem Ball hinterher stolpert und zudem für das größte Faninteresse auf der Insel bekannt ist.

Das Busticket gen Süden war trotz gewisser Sprachbarrieren am Busbahnhof Puerto Platas schnell in den gierigen Händen und die Sicherheitslage allgemein wesentlich entspannter, als es die mit Gewehr im Anschlag herumlaufenden Polizisten vermuten ließen.

Dies ist zumindest das Fazit am Ende der Reise, nachdem Puerto Plata nochmals ausgiebig auf eigene Faust erkundet wurde.

Das Denkmal der Unabhängigkeit von 1844

Santiago de los Caballeros ist mit rund einer halben Million Einwohner die zweitgrößte Stadt des Landes. Als Highlight ist besonders das ‚Monumento a los Heroes de la Restauracion‘ zu empfehlen, ein Denkmal, erbaut nach der Unabhängigkeit im Jahre 1844.

Für schmale 1,70€ Eintritt gibt es einen sehenswerten Blick über Santiago de los Caballeros und damit den Lohn für den selbst im Schatten von der Stirn tropfenden Schweiß.

Doch nun: Fernbedienung in die Hand. Spulen wir vor zum Highlight des Tages, dem Fußball-Länderpunkt Dominikanische Republik

6.000 Fans bei einem Ligaspiel in der Dom. Rep.

Auch wenn der Cibao FC laut Bildern ein paar Menschen aus dem Versteck lockte (Von einem Traumstrand kann in Santiago de los Caballeros bekanntlich nicht gesprochen werden. Warum wohnt man eigentlich auf einer solchen Insel im Landesinneren?).

Dass aber rund 6.000 Fans den Allerwertesten auf den Steinstufen plattdrücken würden, kam doch überraschend – während beispielsweise in Ägypten beim Groundhopping derzeit fast keine Fans im Stadion sind.

Cibau FC Fans
Cibao zieht! 6.000 Zuschauer wollten den Tabellenführer sehen

Die Heimspielstätte gehört wohl locker zu den Top 3 Stadien der Dominikanischen Republik. Eine steile Haupttribüne mit großen Stufen beherbergte die meisten Anhänger der Orange-Schwarzen. Hinter den Toren und auf der Gegenseite passten sich spektakulär wurzelnde Bäume in das Bild des Stadions ein.

Die anwesenden Zuschauer waren ein echter Querschnitt der Bevölkerung. Vom 15-jährigen aufgetakelten Teenie-Mädel auf der Suche nach den verliebten Blicken der Teenager des anderen Geschlechts bis hin zum verträumt in die Weltgeschichte blickenden Rentner wurden alle Klischees bedient, die man so auch auf jedem sächsischen Sportplatz erwartet hätte.

Cibao Stadion Baum
Und im Herbst fallen nicht nur Tore – sondern auch Blätter

Ultras in der Dom. Rep? Jein!

Wenn ich ALLE sage, dann gab es natürlich auch die Herren, die in europäischen Breitengraden wohl als Dorfultras umschrieben worden wären. Man mag echten Ultragruppierungen ja nicht völlig zu Unrecht speziell in Deutschland gern mal nachsagen, dass ein wenig Selbstüberschätzung das eigene Bild bestimmt.

Was ich aber in der Dominikanischen Republik – und speziell dem Cibao FC – erleben durfte, setzt dem die Krone auf. Durchaus schick, dass in landestypischer Manier tanzend mit verschiedensten Instrumenten und ohrenbetäubenden Lärm die Meute eingeheizt wird, doch der verzweifelte – und mehr als peinliche – suchende Blick nach Bewunderung in den Augen anderer Zuschauer ließ mich dann doch immer wieder schmunzeln.

Gibt es Auswärtsfahrer beim Fußball in der Dom. Rep?

Durchaus gespannt war ich entsprechend, ob speziell die 20 führenden Köpfe des Supports meinen Anreiseweg in die Gegenrichtung auf sich nehmen würden, um sieben Tage später beim Auswärtsspiel in Puerto Plata aufzuschlagen.

Es sei vorweggenommen: Quasi in gleicher Montur kamen die Jungs – leicht verspätet – beim Gastauftritt unweit unseres Hotels ins Stadion spaziert und wurden dadurch doch noch ins Herz geschlossen.

Insgesamt waren eine Woche später später knapp 500 Anhänger des dominikanischen CFCs vor Ort. Fußball in der Dom. Rep. ist weit mehr als ein Kick vor 20-30 verirrten Seelen.

Willkommen daheim: Gastfreundschaft in der Karibik

Die 1:2-Niederlage des CFC gegen Atletico de San Francisco sorgte für manch langes Gesicht beim Tabellenführer, dessen Fans nach Abpfiff das Stadion fluchtartig verließen.

Wir taten es ihnen gleich, verschwanden in einer Privatunterkunft und genossen das Rundum-sorglos-Paket unseres Gastgebers, der uns sogar mit schüchternen Blick das Frühstück ans Bett brachte.

Wenn man jetzt noch das erhaltene Heißgetränk als Kaffee hätte bezeichnen können…

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