Tanger Terrasse Frühstück
Afrika

Marokko Reisebericht – 7 Tage Orient-Feeling?

Das Fernweh groß, der Geldbeutel klein. In diesem Verhältnis präsentierten sich die markante Eckpunkte im Vorfeld des geplanten Frühlings-Reiseabenteuers Marokko.

Ursprünglich liebäugelten 50 Prozent der schmalen Reisegruppe mit Bangkok und dem erweiterten Umkreis, während meine Wenigkeit statt Südostasien den fernen Westen Mittelamerikas im Fokus hatte.

Schlussendlich traf man sich im Süden und aus einer zweiwöchigen Tour sollte eine Kurzreise auf den afrikanischen Kontinent werden.

Marokko Reisebericht – Erlebnisse wie Märchen aus 1001 Nacht?

Was darf man von Marokko erwarten? Orient-Feeling wie im mittleren Osten, eine Lightversion der südlicheren afrikanischen Staaten oder doch nur ein wenig mehr vom südländischen Temperament der Spanier und Italiener?

Wohl eine Mischung aus allen Erwartungen, die wir im Vorfeld hatten. Doch der Reihe nach! Auf in Tag 1 des Marokko-Reiseberichts.

Anreise: Von Chemnitz nach Marrakesch

Gut gelaunt und mit einem Bierchen im Rucksack bewaffnet, ging es nach vier Stunden Maloche in Richtung Busbahnhof, um sich wie gewohnt mit dem Flixbus nach Schönefeld kutschieren zu lassen.

Obwohl mein Reisebegleiter – das Greenhorn in Person – seit der Hälfte seines Lebens nicht mehr geflogen war, würden weitere Worte zu den folgenden Stunden nur langweilen, zumal mir aufgrund unterschiedlicher Sitzreihen keine Chance gegeben wurde, den gefühlten Flug-Neuling mit spaßigen Bemerkungen die Schweißperlen auf die Stirn zu zaubern.

Land 80 heißt mich willkommen…

Der erste Schritt in mein (reichlich geschummelt – tauchen in der Statistik doch die DDR & Tschechoslowakei auf) 80. bereistes Land ließ aufgrund der nicht optimal verlaufenden Einreiseprozedur und eines arbeitsverweigernden Geldautomatens noch etwas auf sich warten. Immerhin brauchst Du für die Einreise in Marokko kein Visum – dafür jedoch einen Reisepass!

Der letzte Bus hatte sich zudem bereits in Richtung Innenstadt verabschiedet, weshalb es anschließend zu Fuß in Richtung Medina ging – dem typischen Begriff für die Altstadt historischer marokkanischer Orte.

Rabat Medina
Die Medina von Rabat – ein Einkaufsparadies?

Wirklich keine Sorge – soviel sei vorweg verraten – muss man sich um die Sicherheit machen. Diebstähle gehören zwar gegenüber Touristen wie an gefühlt jeder Ecke unseres Planeten dazu, doch ansonsten ist der Marokkaner stets hilfsbereit und das Schlendern auf den Straßen auch in den Abendstunden sicher.

Hotelsuche in der Medina

Nur in den seltensten Fällen stimmten die eingetragenen Standorte der Unterkünfte in den Medinas, weshalb sich einer der Einheimischen noch eine müde Mark mit der Hotelsuche für die beiden Deutschen verdienen durfte.

Ein kurz aufkommendes Angstgefühl aufgrund der engen und verwinkelten Gassen in Kombination mit eifrigen Telefonaten und lauten Ausrufen des menschlichen Navigationsgeräts war hingegen im Nachhinein unnötig.

Der Gastgeber hieß uns schnell willkommen, bevor er sich in sein Bett pflanzte. Warum das eine Erwähnung wert ist? Sein Schlafgemach bestand aus einer winzigen Matte, die sich hinter dem Schreibtisch – der sich Rezeption nannte – befand. Schöne Zustände.

Mein Reisebegleiter und ich, der frisch in ‚Christoph Kolumbus‘ umgetaufte (will Yussef mir mit meinem neuen Spitznamen seine Geschichtskenntnisse unter die Nase reiben oder schlichtweg witzig sein?), erhielten zumindest je ein echtes Bett, auch wenn die Matratze reichlich hart ausfiel.

Ouzoud Wasserfälle – aus der Großstadt ins Grüne!

Ins Grüne? So fragte sich wohl auch die etwas weniger reiseaffine Bekanntschaft, die das Stichwort Marokko ohne meinen Reisebericht eher mit Wüstenlandschaften in Verbindung brachte. Es gibt sie jedoch, die schönen Oasen im zentralen Marokko.

Sitzen gelassen vom Chauffeur…

Dabei wäre es beinahe anders gekommen: Zwei Mützen Schlaf mussten genügen, denn am Folgetag stand ein erstes Highlight in Marokko auf dem Programm.

Tripadvisors Partner sollte uns in Richtung Ouzoud-Wasserfälle fahren. Normalerweise suche ich mir ja lieber vor Ort den passenden Bus, doch aufgrund der späten Ankunft am Vortag war die Busbuchung eigentlich die risikofreie Variante.

Die Abholung wurde bewusst in ein Hotel verlegt, welches den zehnfachen Zimmerpreis aufrief, doch selbst an diesem namhaften Ort sollte kein Fahrzeug halten.

Ende vom Lied: 2 Deutsche schauten nach wenigen Stunden Marokko erstmals richtig dumm aus der Wäsche. Info am Rande: das Buchungsportal sollte die bereits entstandenen Kosten im Nachhinein erstatten.

Glücklicherweise konnte unweit des berühmten Marktplatzes Djemaa el Fna noch ein Ticket zum fairen Kurs von 200 Dirham (18,50€) für die je dreistündige An- und Abreise geschossen werden. Anderen Marokko-Reiseberichten und den Äußerungen der Einheimischen nach ist dies in etwa der Standardpreis.

Djemaa el Fna – der Herzschlag Marrakeschs

Djemaa el Fna ist in trauriger Hinsicht berühmt. Während dort heute bis tief in die Nacht die Menschen ihren Abend verbringen, das Leben tobt, man schon für einen eingenommen Sitzplatz zum Abendessen bejubelt wird und der frisch gepresste Orangensaft für unschlagbare 37 Cent über die Theke geht, geht der Name des Marktplatzes von Marrakesch im Arabischen auf die Umschreibung „Versammlung der Toten“ zurück.

Ein Ort der Schande?

Im 12. Jahrhundert wurden dort Hinrichtungen vollstreckt und die Köpfe der Toten öffentlich zur Schau gestellt.

Knapp 900 Jahre später dient Djemaa el Fna uns in erster Instanz nur als Busbahnhof. Im kleinen Örtchen Ouzoud wartete dann ein echtes Naturspektakel. Während ein Teil der etwa 15-köpfigen Reisegruppe mit Übelkeit in der Nähe des Kleinbusses blieb, begab sich der Rest samt Guide (Fixpreis um etwa 3€, die eigentlich auch passabel investiert sind) auf den Weg.

Der Chef-Mokel lieferte schon nach der ersten Abkehr von der Gruppe eine unfreundliche und fragende Ermahnung, ob man denn in seiner Gruppe mitlaufen wolle.

Wir blieben, was wohl die richtige Entscheidung war, da die Mitstreiter nett waren, wenngleich auch jene kurzzeitig in immer größerer Mannstärke die Nase gegenüber Cheffe rümpften und positivere Worte über ihn in diesem Reisebericht über Marokko und die Ouzoud-Wasserfälle auch nicht mehr auftauchen werden.

Ouzoud Wasserfall Regenbogen
Ouzoud-Wasserfälle – etwa 2,5h entfernt von Marrakesch

Die höchsten Wasserfälle Nordafrikas

Dafür sind die über 100 Meter tiefen Wasserfälle ein echtes Highlight. Mit den Maßen reicht es für Rang 1 in Nordafrika. Bilder sagen bekanntlich mehr als 1000 Worte.

Gegen Ende des Spaziergangs über Berg und Tal erkundete die Chemnitzer Meute zusammen mit einem Kickboxer aus dem Westen und einer deutschsprachigen Slowakin die Umgebung und machte noch manch spektakuläres Bild von eigentlich nicht erlaubten Zugängen.

Allgemein bleibt wie üblich in Erinnerung, dass diverse Wege so in dieser Form in Deutschland ohne Geländer nie die Freigabe erhalten hätten.

Auf in den Norden: Tanger wartet!

Wer am Dienstag 6h zwischen Marrakesch und der Provinz Azilal im Atlasgebirge pendelte, der hat offensichtlich in der kommenden Nacht noch Bock auf einen Trip durch das halbe Land.

Entsprechend suchte man nach mit den Anfängen meines Reisehobbys verquatschten Stunden in einem kleinen Park Marrakeschs nur noch kurz das Hotel der Vornacht auf, um die Dachterrasse zu genießen und einer leicht bekleideten Dame dabei zu helfen, ihre vom Wind zerstreuten Klamotten wieder zusammenzusammeln.

Am Busbahnhof nickten wir vor der Abfahrt um 2 im Gleichschritt immer wieder weg. Mit 21,30€ war der Bus gen Tanger die teuerste Unterkunft der Tour – und dabei hatten wir gewiss keine schlechten Hotels (okay, jenes an Tag 1 war nicht der große Knaller). Das Preisniveau ist genauso angenehm, wie der Wohlfühlfaktor am folgenden Morgen.

Tag 3 – Tanger: Traumstrand mit Blick auf Europa

Der Ausgangssatz war kein Witz. Nach etwa 6-7 Stunden Schlaf ging es ausgeruht und mit einer fast zwei Stunden zu frühen Ankunft motiviert in Richtung Tanger Zentrum. Offensichtlich wurde meinem Körper noch nicht mitgeteilt, dass er in wenigen Wochen seinen 30. Geburtstag feiert.

Tanger Strand Kamele
Tangers Strand ist riesig…

Kurz relaxten wir am wirklich starken Strand, bis wir für die Nutzung überall herumstehender Plastikstühle zu einer „Eintrittsgebühr“ verpflichtet werden sollten.

Stattdessen eroberte die Festung Tangers unser Herz, die sich imposant in das Stadtbild einprägt. Aufgrund der geographischen Lage überrascht es kaum, dass die Stadt am Nadelöhr „Straße von Gibraltar“ immer wieder Ziel von Eindringlingen war.

Die Medina von Tanger ist wesentlich heller als noch in Marrakesch, weiß eine führende Farbe. Das Hotel überzeugt mit einem typisch-marokanischen Minztee bei der Ankunft, einem schick und stilvoll eingerichtetem Zimmer sowie der Frühstückslocation am kommenden Morgen auf der Dachterasse.

Ich greife vorweg, doch dies war wieder einer der Momente, in dem die Glücksgefühle sprießen.

Fußball im Land mit den verrücktesten Fans der Welt

Glücksgefühle gibt es sonst im Regelfall bei uns bekannten Fußballchaoten, wenn die Stimmung in Fußballstadien hochkocht. Der Fußball-Länderpunkt Marokko – für mich Nummer 77, Felix freute sich über Nummer 6 und den Kontinentalpunkt Afrika – sollte im 45.000er Stadion von Ittihad Tanger fallen.

Zu Gast war Agadir, sodass die Anreise an einem Mittwoch reichlich beschwerlich ausfiel und den knapp über 400 Gästen Respekt zu zollen ist. Bereits in unserem Nachtbus saßen diverse Jugendliche mit klar erkennbarer Fußballkleidung.

Tanger Fans Pyrotechnik
Tangers Fans sind im verrückten Marokko nur eine kleine Hausnummer

Die Kurve mit gut 3000 Heimfans wurde nach der Aufforderung des Sitzplatzbereichs zum Ortswechsel endgültig gefüllt und die Herren leiteten die Partie mit einer Zettelchoreo ein. Unfassbar, welches Bild man da auf Stehplatzstufen in einer zehn Minuten vorher noch halbleeren Kurve optimal umgesetzt bekommt.

Fußball-Choreographien auf höchstem Niveau

In heimischen Gefilden ist es oft schon zu schwer, zwei bis drei verschiedene Zettel an passende Orte zu verteilen. Zudem stört man sich in Marokko auch nicht am Gebrauch von Bengalfackeln, die innerhalb der 90 Minuten immer wieder den Abendhimmel leuchten ließen. Willkommen in Afrika und dabei ist Ittihad Tanger ein kleines Licht in der Fankultur Marokkos.

Ich erwähne gegenüber Reisenden, welche die Leidenschaft zum runden Leder nicht teilen, gern, dass ich diesen Sport schon deshalb so sehr liebe, weil er mehr als alle anderen Aktivitäten zeigt, wie die Menschen im bereisten Land ticken.

Nirgendwo kommen alle Gesellschaftsschichten zusammen (okay, Englands Stadien ausgeklammert), nirgendwo ist man als Mensch so echt wie beim Fußball.

Wild pöbelnde Scheichs auf Thailänder würde man in den Vereinigten Arabischen Emiraten wohl abseits eines Fußballstadions nie erleben. Und doch sei damit bis zum Abschlusstag des Marokko-Reiseberichts der Fußball abgehandelt.

LKW-Jagd: Marokkos Form des ÖPNVs

In Marokko wurde es spätestens nach dem Match aus der Sicht eines Mitteleuropäers kurios, als die Stadionbesucher jagt auf LKWs machten, um als blinder Passagier zurück in das Stadtzentrum zu fahren. Die Staatsmacht hatte kräftig damit zu tun, die Lastwagen wieder von den Menschenmassen zu befreien, damit jene ihre Fahrt fortsetzen konnten. Im völlig überfüllten Kleinbus ging es zurück in Richtung Medina.

Das Labyrinth der Königsstadt Fès an Tag 4

Dem bereits angesprochenen leckeren Frühstück auf der Terrasse folgte die Fahrt in das kulturelle Zentrum das Landes. Fès ist historisch betrachtet eine der spannendsten und wichtigsten Städte des Landes gewesen.

Als Fortbewegungsmittel erhielt erstmals der Zug den Zuschlag. Auffällig unauffällig präsentierte sich ONCF – die ich beinahe als Deutsche Bahn Marokkos beschimpft hätte.

Dabei sind beide Unternehmen kaum miteinander zu vergleichen. Zugtickets sind sehr gut bezahlbar und bei allen vier Fahrten war die Bahn zu 100 Prozent pünktlich. Verständlich, dass dies weniger reise-affine Menschen, die nur die DB kennen, für eine Lüge halten.

In Fès dauerte die Hotelsuche ungewöhnlich lange, obwohl die berühmte Booking.com-Stecknadel in der Medina kaum mehr als 30 Meter falsch gesteckt war.

Die winzigen Gässchen in Fès sind einfach der Wahnsinn. Bereits im Vorfeld hatte ich in anderen Reiseberichten zu Marokko und Fès gelesen, dass es gefühlt schon zu den touristischen Programmpunkten gehört, sich dort zu verlaufen und wild umherzuirren. Check!

Gerbereien inmitten des Labyrinths

Anschließend ging es im Rekordtempo den berühmten Gerbereien entgegen, die glücklicherweise noch offen waren, auch wenn die meisten Arbeiter bereits Feierabend hatten. In qualvoller Handarbeit wird in der Lederfabrik Chouara das Leder gesäubert und gefärbt. Da die Arbeit mit den ersten Sonnenstrahlen am Himmel beginnt, ist bereits zur Kaffeezeit Feierabend.

Am nächsten Tag wollten wir das nochmal bestaunen, vergaßen dabei jedoch die religiöse Bedeutung des Freitags für den gewöhnlichen Moslem. Ein peinlicher Fauxpas, der definitiv zu vermeiden gewesen wäre.

Marokkanisches Essen aus der Tajine

Dafür wurde sich weiterhin fleißig marokkanischen Gepflogenheiten hingegeben. Dazu zählt beispielsweise das Essen aus einer handgetöpferten Tajine.

Marokko Tajine
Essen aus der Tajine

Die Zubereitung in Tajinen ist in Marokko weit verbreitet. Natürlich gibt es viel Fleisch, doch auch Gemüse fehlt auf keinem Speiseplan. In Sachen Street Food sollten wenig erprobte Mägen ein wenig aufpassen, denn das angebotene Fleisch ist nicht immer durch.

Ist das Fleisch wirklich genießbar?

Die Neugier war an vielen Stellen größer und Beef geht natürlich auch halb roh in den Magen. Weniger verlockend waren hingegen die Angebote für Bier, Wein und Whiskey der ortsansässigen Schmuggelszene aufgrund der gesalzenen Preise.

Spätestens beim Ausgangstor der Medina Bab Boujoud endete der Rundgang durch die verwinkelten Gassen, wenngleich wir uns noch ein zweites Mal in das Abenteuer stürzten. Die Suche nach dem perfekten Souvenir-Magneten (ich mache ja wenig Tourikram mit, aber das muss sein!) war erfolgreich und das Hotel einen Tick zu romantisch für die Marokko-Reise mit einem Kumpel. 😉

Casablanca – die weiße Stadt

Casablanca – die weiße Stadt! Jeder glaubt sie aufgrund des bekannten Films zu kennen – doch der wurde gar nicht in Casablanca gedreht.

Dennoch zuckelte der Zug in Richtung Westen des Landes – direkt an den Atlantik. Im Vorfeld sah der Tag nur ein Haupt-Highlight vor – das größte Kirchenbauwerk des Planeten.

Einmal Wydad Casablanca?

Stattdessen galt es die Rückflugtickets auszudrucken (ist nur bei Ryanair-Flügen ab Marokko und teils Griechenland notwendig) und Tickets für den morgigen CAF Champions League Spieltag in Rabat zu besorgen. Für Ziel Nummer 2 wurden auf der arabischen Seite von Wydad mit Müh und Not Verkaufsstellen gefunden, die aber nicht sorgenfrei übersetzt werden konnten.

Der Hotelchef hatte sein Ticket und meinte, wir sollen den Screenshot einfach einem Taxifahrer unter die Nase reiben und uns hinfahren lassen. Maximalpreis dafür wären etwa 3€. Zwei Taximokel ließen sich nicht unter 15 € drücken. Erst Kandidat Nummer 3 lieferte uns kostengünstig ab, doch gab es am vermeintlichen Zielort gewiss keine Karten für das morgige Match.

Trotz gravierender Sprachprobleme wurde das Problem erklärt, sodass man kurz darauf an Bord eines Privatautos saß.

Wenn die Hupe den Weg frei hält…

Es begann eine erinnerungsträchtige Fahrt durch die ganze Stadt, die kurz vor der Autobahn nach Rabat endete, was für Angstschweiß sorgte, dass der Fahrer uns vielleicht 24 Stunden zu früh zum Spielort fahren würde.

Kurz darauf hielten wir aber an einem kleinen Stadion an, dessen Kassenhäuschen in Größe von Dixi-Toiletten tatsächlich allein für uns aufgesperrt wurden, um 2 der begehrten Eintrittsberechtigungen für den Folgetag zu verkaufen.

Die Rückfahrt gestaltete sich nicht weniger aufregend, da unser Taxifahrer auf der Gegenspur fröhlich überholte und entgegenkommende Fahrzeuge zielsicher aus dem Weg hupte. Einmal wurde es wirklich knapp… und ich bin in der Hinsicht wirklich eine Menge gewohnt.

Dafür wollte der Mann im Nachhinein kein Geld, was uns in der Form in Marokko noch nie passierte. Eigentlich wird man an jeder Stelle als Goldesel betrachtet, doch dieser Ehrenmann wollte uns wirklich nur eine Freude machen – Merci!

Der langsamste Copy-Shop des Planeten

Auf der Suche nach dem Copy-Shop wurde unser Rezeptionist im naheliegenden Friseursalon wiedergefunden. Wir wurden kurz genötigt, einem seiner Kumpels zu erzählen, was wir am Folgetag vorhatten.

Logisch, was da im Busch war: der bemitleidenswerte Kollege drückt nicht den Roten (Wydad) sondern Stadtrivale Raja die Daumen und wurde nun vom gesamten Friseursalon verhöhnt. Ein witziges Schauspiel!

Der Weg zum Copy-Shop ging durch diverse Gassen, war aber dennoch schneller erledigt, als eine Internetseite vor Ort lud. Gut 30 Minuten vergingen, bis auch Ryanair beruhigt war.

Hassan 2 Moschee Casablanca
Hassan2-Moschee mit dem damals größten Minarett der Welt

Die größte Moschee der Welt

Nächster Programmpunkt: Die Moschee Hassan II. mit über 200 Metern Höhe hat das höchste Minarett und ist eines der größten Kirchenbauwerke der Welt. Diesen Stand hatte das imposante Bauwerk zumindest im März 2019 inne, als wir Casablanca besuchten.

Bereits einen Monat später wurde der Rekord im unweit entfernten – und doch aus marokkanischer Sicht äußerst unbeliebten – Algerien überboten. Das in der Hauptstadt Algier befindliche Bauwerk ist zugleich die drittgrößte Moschee (mit dem höchsten Minarett) nach jenen in den bekannten Pilgerstädten Mekka und Medina.

Wellen peitschen gegen die direkt am Wasser gebaute Mauer der Moschee. Die Entspannung im Sonnenuntergang wurde nur von einem etwas übereifrigen Polizisten gestört, der mein Verharren auf einer der Grenzmauern für zu gefährlich hielt.

Hassan 2 Moschee Sonnenstrahlen
Der Sonnenuntergang kündigt sich an…

Abenteuer Schnecken – marokkanisches Essen der anderen Art

Bereits am Vortag hatte mein Mitstreiter gesehen, dass in Marokko offensichtlich auch Schnecken auf dem Speiseplan stehen. Da jene direkt vor dem Gebäude verköstigt wurden, galt es in den faulen Apfel mit Schneckenhaus zu beißen.

Ich habe schon viele Dinge verschlungen, die der Normalo so eher hätte stehen lassen, doch die Insekten in Bangkok sind ein Witz im Vergleich zu den niedlichen und reichlich schleimigen kleinen Tierchen.

Wenn der Respekt vor der ungewohnten Speise aber erst einmal abgelegt ist, kann man locker eine ganze Schale davon verdrücken. Ein wenig Salz hätte noch gutgetan, doch die Erfahrung war es wert.

Für kulinarische Abwechslung sorgten im Nachgang diverse Erdbeeren auf den großen Märkten, auf denen wir in den Abendstunden schlenderten.

Traumerfüllung Wydad am letzten Reisetag

Das Ende ist nah! Der letzte volle Tag im schönen Marokko startete mit einem kleinen Blick auf die – ebenfalls weiße – Kathedrale von Casablanca, bevor uns der Zug in die Hauptstadt Rabat fuhr.

Kathedrale Casablanca in Weiß
Weiße Kathedrale in der Weißen Stadt: Casablanca

Es ist die vierte Großstadt des Landes, die wir mit unserer Anwesenheit beehrten und alle Städte unterschieden sich trotz des stets vorhandenen Medina-Stadtkerns grundlegend. Rabat ist wesentlich weitläufiger und es gibt viele breite Straßen.

Hassan II.-Turm in Rabat

Der Hassan II.-Turm ist ein Touristenmagnet – gefühlt ein größerer als die Moschee am Vortag, wobei das wohl nur mit den Wochentagen (Freitag respektive Samstag) zu erklären ist.

Der Strand der Stadt kann mit Tanger nicht mithalten (Casablanca hat fast gar keinen) und die Begeisterung hielt sich aufgrund immer stärker andeutender körperlicher Probleme meines Mitstreiters – nein, an den Schnecken allein lag das eher nicht – sowieso in Grenzen.

Hassan Turm Rabat
Hassan-II-Turm in Rabat

Gut drei Stunden vor Anpfiff ging es via Taxi – ganz entkommt man der Taximafia wohl nie – zum Ground, an dem schon eine Menge roter Farbtupfer die Umgebung färbten.

Unzählige grandiose Youtube-Videos hatte ich gesehen. Diverse Freunde behaupten, dass das Casablanca-Derby keineswegs von dem in Belgrad abfällt und auch der heutige Tag sollte diese Einschätzung bestätigen.

Mit 45.000 Fans in einer fremden Stadt

Unfassbare 45.000 Wydad-Anhänger nahmen die Reise in das 80 Kilometer entfernte Rabat auf sich und erzeugten eine bombastische Atmosphäre im weiten Rund.

Immer wieder brannten einige Fackeln, die bei den Menschenmassen in der Nachmittagssonne fast untergingen. Die eine größere Pyroshow (Rauch & Bengalos) sorgte aber endgültig für Ekstase, nachdem die deutschen Heinze schon im Vorfeld vor einer Wydad-Fahne posieren mussten und zu diversen Gesängen gezwungen wurden.

Winners Wydad Fans
Die Fankurve von Wydad Casablanca

Im liebevollen Würgegriff der Marokkaner…

Beim Siegtreffer lag man sich mit dem marokkanischen Sitznachbar im Arm (weit abseits der Fankurve). Fußball verbindet – eine tolle Welt!

Im Abendzug zurück nach Marrakesch waren logischerweise diverse Wydad-Anhänger, was auch die Staatsmacht mit sorgenvoller Miene auf den Plan rief. Schlussendlich ging es zu Yussef zurück, womit der Ausgangsort unserer Marokko-Rundreise wieder erreicht war.

Tag 7 – sag zum Abschied leise… DANKE

Ein letzter Orangensaft, dann ab zum Flughafen. Da mein Reisebegleiter schon seit einiger Zeit mehr als Mumie denn Mensch neben mir her torkelte und der Gesundheitszustand offensichtlich gewisse Grenzwerte überschritt, kam die Abreise zum richtigen Zeitpunkt.

Marrakesch Orangensaft
Frisch gepresster Orangensaft – Pflicht in Marrakesch

Der Rest ist Business as usal. Hier ein verpennter und verlesener Flug, dort auf einer Sitzreihe im Flixbus breitgemacht und – so ehrlich möchte ich sein – beim Ausstieg schlafend gegeben, um nicht die Sitzfläche halbiert zu bekommen. Ganz gleich, wo man war, wie traumhaft auch die Reiseerlebnisse aus Marokko sind – schön, wieder in Chemnitz zu sein!

Warst Du auch schon in Marokko?

Du hast selbst schon einige der angesprochenen Orte besucht? Dann erzähl mir und anderen Lesern gern von Deiner Marokko-Rundreise unten in den Kommentaren.

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