Hajduk Pyro als Groundhopping Highlight
Groundhopping

Groundhopping Highlights 2020: Das brachte das Corona-Jahr

Es war ein gequältes Lächeln, welches über mein Gesicht huschte, als mit Beginn des ersten Corona-Lockdowns die eigentlich für die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester übliche Liste der Groundhopping Highlights des Jahres 2020 von einem Kollegen aus der Landeshauptstadt niedergeschrieben wurden.

Ganz so schlimm kam es dann doch nicht, schließlich rollte mit meiner Anwesenheit auch nach der ersten krisenbedingten Pause noch in neun Ländern der Ball.

Dennoch können die Groundhopping Highlights 2020 nicht mit früheren Jahren mithalten, obwohl manch Fest auf dem Plan gestanden hätte:

Die Winners von Wydad feierten kürzlich ihr 15-jähriges und Torcida durfte 70 Kerzen zum Jubiläum anzünden. In beiden Städten machten die Anhänger mit Unmengen an Fackeln die Nacht zum Tag, doch die Stadiontore zur würdigen Untermalung blieben verschlossen.

Quilmes Boca Ticket
Der Tag bei Boca am Vorabend der Coronakrise war das große Highlight!

Und so gibt es in der Liste meiner Groundhopping Highlights 2020 eben den estnischen Zweitligazuschauerrekord oder die kurz vor der Verabschiedung gekreuzte Gammelhütte von Osijek statt dem Belgradderby – wobei da sogar die Chance bestanden hätte.

Ein paar Knaller waren aber doch dabei. Hier kommen sie, meine Top5-Groundhopping-Erlebnisse & Momente im Chaos-Jahr 2020!

Traumerfüllung La Bombonera: CA Boca Juniors vs. Ind. Medellin

Die im Frühjahr 2020 geplante Südamerika-Tour über circa drei Wochen endete viel zu früh. Mehr als kurzfristig musste die Reise wegen der Corona-Krise abgebrochen werden, um in letzter Sekunde noch einen Flieger zurück nach Europa zu bekommen.

Groundhopping Highlight 2020: La Bombonera
Boca, mi buen amigo – die Gesänge sind heute noch im Ohr

Wie dramatisch und schnell sich die Lage zuspitzte, zeigt, dass noch wenige Tage vor dem Panikflug in die Heimat das Copa Libertadores-Match der Boca Juniors vor 49.000 Zuschauern stieg. Einmal im La Bombonera die „Boca, mi buen amigo“-Gesänge mit eigenen Ohren zu hören, war gewiss eine Traumerfüllung, die unsere Reisegruppe eine Menge Nerven kostete.

Doch bevor ich ein zweites Mal die Tasten glühen lasse, verweise ich lieber auf einen bereits auf Globushopper erschienenen Artikel zum Fußball in Buenos Aires, der einen Report zu Boca – Medellin, meinem Groundhopping Highlight 2020, liefert. Glaubt mir, schon bei der Ticketbeschaffung floss eine Menge Schweiß – ähnlich wie kurz darauf bei Carlos Tevez!

Ein Vierer in der Ekstraklasa mit Pyro-Freuden

Das Büro meines Arbeitgebers in Wien und Heimatstadt Chemnitz trennen keine 500 Kilometer. Dennoch warten die Kollegen stets auf meine Berichte, in welche Ecken ich mich denn dieses Mal bei der An- oder Abreise „verfahren“ habe.

Nach kleinen Abstechern in Richtung der Slowakei oder Slowenien stand im Februar 2020 ein Vierer in der polnischen Ekstraklasa auf dem Wochend-Menü zum Ausklang der Arbeitswoche.

Entsprechend ging die Rückfahrt statt in Richtung Nord-Westen in den tiefen Osten, um nacheinander den Städten Kielce, Krakow, Plock und Warszawa jeweils mit Fußballhintergrund einen Besuch abzustatten. Bereits zum Auftakt ließ sich Gornik Zabrze nicht lange bitten und entfachte im Gästeblock das auf dem Rasen fehlende Feuer.

Groundhopping Highlights 2020
Im Februar war die Welt noch in Ordnung…

Auch bei Wisla Krakow war die Stimmung dank des wichtigen Sieges im Abstiegskampf auf einem netten Niveau.

Legia vs. ŁKS Łódź: Fackel in Übergröße

Am Sonntagmittag wartete in Plock das damals letzte Stadion der Ekstraklasa, welches noch (!) nicht einem Neubau weichen musste. Ein netter Aufgalopp für das Tour-Highlight zwischen Legia und ŁKS Łódź.

Die Choreographie zum Spielbeginn in der Hauptstadt samt diverser Fackeln ließ eine Menge erhoffen. Schlussendlich schaffte es ein ordentlicher Auftritt (auf der Legia-Skala) ins Resümee. Der letzte Funke sprang wie auch bei ŁKS nicht über.

Legia liefert stets ein Groundhopping Highlight
Ein Besuch bei Legia ist nie verschwendete Zeit

Kurz ging der Puls noch beim Einsammeln der Mitfahrgelegenheit hoch, hatte jene mich doch an eine verlassene Tankstelle in die Wildnis geschickt. Das Kopfkino ließ mich darum fürchten, dass jederzeit zwei Autos vor und hinter meine Karre fahren könnten.

Die Bestätigung polnischer Klischees?

Das größte polnische Klischee sollte sich nicht bestätigen – im Gegenteil! Eine locker 70 Jahre alte Frau, die weder englisch noch deutsch sprach, nahm nach der obligatorischen Viertelstunde Verspätung auf dem Beifahrersitz Platz. Immerhin konnte ich ihre Tochter, die sie zum Treffpunkt fuhr, noch darum bitten, mit klaren Zeichen Toilettengänge und ähnliche Bedürfnisse anzukündigen.

Aber stell Dir das mal vor: wer würde denn in Deutschland seine 70-jährige Mutter ohne passende Sprachkenntnisse in das Auto eines Polen setzen, um sie einmal quer durchs Land (Endstation: Zgorzelec) bugsieren zu lassen? Und ich mache mir Sorgen darum, das Auto geklaut zu bekommen.

Das Maracana in Rio: Schauplatz des WM Finals 1950 & 2014

Vom Nachbarland zurück in die weite Welt: Während es unserer Reisegruppe vergönnt war, La Bombonera noch vor dem großen Umbau zu entern, hat jener im Maracana von Rio de Janeiro bereits mehrfach stattgefunden. Nur wenig erinnert an das Stadion, in dem vor rund 70 Jahren 199.854 Zuschauer das WM-Finale verfolgten.

Mit der neuerlichen Renovierung im Vorfeld der WM 2014 wurde die Kapazität gewaltig nach unten geschraubt, sodass es neben Spielern, Betreuern und Medien nur 74.738 Augenzeugen des entscheidenden Tores von Mario Götze in der Verlängerung des Endspiels gibt.

Sportliche Tristesse & Träumereien an einem magischen Fußballort

Anfang März 2020 war das Duell der Staatsmeisterschaft in Rio de Janeiro zwischen Fluminense und Resende FC noch eine gute Spur trostloser, denn nur rund 11.000 Zuschauer wollten den erwarteten Favoritensieg sehen.

Wenn es ein solches Match dann tatsächlich in die Groundhopping Highlights 2020 schafft, dann kann dies nur an diesem berühmten Ort & natürlich Corona liegen.

Groundhopping Highlight für Jedermann: das Maracana!
Traditionsreiche Spielstätte – leider enorm renoviert

Und ja, auch im modernen Maracana lässt es sich noch von der Vergangenheit träumen. Was muss an diesem 16. Juli 1950 nur im einst größten Stadion der Welt los gewesen sein? Ob das Schluchzen nach der Niederlage gegen Uruguay bis zum Erzfeind nach Argentinien zu hören war?

Gammelgrounds 2020: Csepel, Stadion des Friedens, Osijek & Halbemond

Weitaus leichter als das Maracana am anderen Ende der Welt sind die Grounds vor der Haustüre zu kreuzen. Hin und wieder rafft man sich halt doch dazu auf, die aus unerklärlichen Gründen fehlenden Stadien unweit der Heimat zu besuchen. So kam es, dass ich erst 2019 im Heinz-Steyer-Stadion antischte – ohne Holztribüne, beschämend! Und 2020 war eben das Stadion des Friedens dran. Schon bitter, wie man die Perlen der Heimat beim Blick in die Ferne vergisst.

Einige fast schon zerfallene Gammelgrounds fernab des Sachsenlandes wurden natürlich auch 2020 in Besitz genommen. Besonders in Erinnerung blieb das Csepel Stadion in Ungarn, welches aufgrund des Modernisierungswahns des Landes eine echte Perle darstellt.

Beke Teri Stadion - Csepel FC
Csepel Stadion im Süden Budapests

Glück und Pech in Ost-Kroatien

Gleiches gilt für Osijeks Stadion Gradski vrt, welches zeitnah nicht mehr die Heimspielstätte der Slawonier sein wird. Mit einer guten Portion Dusel wurde bei meiner Anwesenheit letztmals vor der Corona-Verschärfung vor Zuschauern gespielt. Weniger Glück lieferte die persönliche Pannentournee auf der Heimreise!

Der große Knaller bleibt dennoch das von Groundhoppern initiierte erste Fußballspiel im neuen Jahrtausend im legendären Speedway-Stadion Motodrom Halbemond. Wie es zum Groundhopper-Klassentreffen mit angezogener Handbremse kam, ist im Link beschrieben. Ein fettes Dankeschön noch einmal an die Braunschweiger Jungs!

Grundhopping Knaller 2020: Das Spiel im Speedwaystadion Halbemond
Groundhopper-Klassentreffen in Ostfriesland!

Baltikum & Ungarn: Wenn die Corona-Krise mit einem Flug verschwindet

Zum dritten Mal verschlug es mich ins Baltikum und bei aller Begeisterung speziell für Tallinn und Estland allgemein war 2020 alles anders. Während fast überall in Europa nur noch das Thema Corona existierte, konnte man mit einem Flug in die beiden nördlichen Staaten des Baltikums dem Virus entfliehen. Einerseits, weil die Infektionszahlen niedrig ausfallen und andererseits, da man der Thematik in Estland & Lettland nicht die aus Deutschland bekannte mediale Aufmerksamkeit schenkt.

Daugava Stadion Flutlicht & Tribünen
Zu Gast im vielleicht interessantesten Stadion des Baltikums

Zuschauerrekord in der Coronakrise!

Und so kam es dazu, dass in Pärnu der Allzeit-Zuschauerrekord für ein estnisches Zweitligaspiel ausgerechnet während Corona fiel. Da kann man wie ein Kumpel vor Freude schon einmal sein Handy verlieren. Der nette Este gibt es sowieso zwei Tage später zurück. Estland war wie ein Urlaub von der Pandemie.

Grundhopping Highlight Estland- einmal Abstand vom Corona-Alltag
Estlands neuer Zweitliga-Zuschauerrekord – erzeugt mit Kids auf der Tribüne

Private Glücksgefühle statt Tansania

Ähnliche Gefühle erzeugte Ende August noch ein Wochenendtrip als kurze Fußballreise nach Ungarn, denn auch dort waren die Stadien so gut gefüllt, dass teils sogar das 10-fache bei ausverkauften Partien auf dem Schwarzmarkt gezahlt wurde.

Ende September habe ich das Groundhopping-Jahr 2020 dank der riesigen Vorfreude auf meinen Sohn für beendet erklärt. Klar, die Tansania-Reisen diverser Groundhopper im November haben gut gekitzelt – doch die aktuellen Glücksgefühle sind nicht zu steigern!

Kommt gut ins Neue, liebe Fußballtouristen!

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

dreizehn − vier =

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.